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Mini­job auf Abruf birgt Ri­si­ken für Un­ter­nehmen

Per Mini­job auf Abruf fan­gen vie­le Un­ter­neh­mer sai­so­na­le Auf­trags­spit­zen ab. Aber durch die­ses In­s­tru­ment droht nun Är­ger bei Min­dest­lohn und 450-Euro-Job. An­walt und Steu­er­be­ra­ter soll­ten drin­gend prü­fen, wie sich Ge­set­zes­ver­stöße ver­mei­den las­sen.

Text: Frank Wiercks


Die Ver­än­de­rung einer Zif­fer könnte vie­len Unter­neh­mern bes­ten­falls hohen Mehr­auf­wand und schlimms­ten­falls schmerz­hafte Buß­gel­der besche­ren. Zum Jah­res­wech­sel 2018/2019 wurde das Gesetz über Teil­zeit­ar­beit und befris­tete Arbeits­ver­träge (TzBfG) aktua­li­siert, was zunächst kaum Auf­re­gung her­vor­rief. Im Para­graf 12 steht zur Arbeit auf Abruf: „Wenn die Dauer der wöchent­li­chen Arbeits­zeit nicht fest­ge­legt ist, gilt eine Arbeits­zeit von 20 Stun­den als ver­ein­bart.“ Bis Ende 2018 waren es 10 Stun­den. De facto bedeu­tet das eine glatte Ver­dop­pe­lung der unter­stell­ten Arbeits­zeit – und macht darum Pro­bleme beim Min­dest­lohn. Denn auch gering­fü­gig Beschäf­tigte, also Mini­job­ber, gel­ten als teil­zeit­be­schäf­tigt – und haben Anspruch auf den Min­dest­lohn von 9,19 Euro. Dadurch ent­steht bei einem Mini­job auf Abruf eine Glei­chung, die nicht auf­ge­hen kann. Ohne ver­trag­lich fest­ge­legte Zahl von Arbeits­stun­den unter­stellt das TzBfG eine Wochen­ar­beits­zeit von 20 Stun­den. Bei rech­ne­risch 4,33 Wochen pro Monat mal 9,19 Euro pro Stunde wären das 795,85 Euro Monats­lohn – das ist garan­tiert kein Mini­job mehr.

Durch Ände­rung bei Mi­ni­job auf Ab­ruf droht Ärger

Betrof­fen sind von die­ser Geset­zes­än­de­rung ins­be­son­dere Betriebe mit sai­so­nal stark schwan­ken­dem Geschäft, bei­spiels­weise Gas­tro­no­mie oder Gar­ten­bau. Sie nut­zen im Som­mer bei Arbeits­spit­zen ver­stärkt den Mini­job auf Abruf und stel­len gering­fü­gig Beschäf­tigte als Teil­zeit­ar­bei­ter je nach Wet­ter ein. Eben auf Abruf. Des­halb kocht das Thema jetzt hoch und droht man­chem Fir­men­chef enorme Pro­bleme zu berei­ten. Grund­sätz­lich waren bei der Arbeit auf Abruf schon immer diverse Vor­ga­ben zu beach­ten. Zu Jah­res­be­ginn hat­ten viele die aktu­el­len Ver­än­de­run­gen beim Mini­job auf Abruf aller­dings nicht im Blick, weil sie ihn damals kaum nutz­ten. Mit Sai­son­be­ginn mach­ten sie dann wei­ter wie 2018, ohne die betrof­fe­nen Arbeits­ver­träge anzu­se­hen und gege­be­nen­falls zu modi­fi­zie­ren. Wer beim Mini­job auf Abruf keine Stun­den­zahl schrift­lich fixiert hat, muss der Sozi­al­ver­si­che­rung des­halb nun 795,85 Euro Monats­lohn mel­den. Diese Summe und eine ent­spre­chende For­de­rung der Sozi­al­ver­si­che­rung ergibt sich unab­hän­gig von der tat­säch­lich geleis­te­ten Arbeit. So ent­steht der gefürch­tete Phan­tom­lohn, der mit Sozi­al­ab­ga­ben belegt wird.

Viel zu ho­he Stun­den­zahl für ei­nen 450-Euro-Job

Betrof­fene Unter­neh­mer soll­ten mit Anwalt und Steu­er­be­ra­ter schnell Gegen­maß­nah­men ergrei­fen, um beim Mini­job auf Abruf nicht mas­siv drauf­zu­zah­len. Und um recht­li­chem Ärger wegen Ver­stö­ßen gegen Rege­lun­gen zur Sozi­al­ver­si­che­rung und zum Min­dest­lohn zu ent­ge­hen. Zuerst ist zu klä­ren, ob bezie­hungs­weise wel­che Mit­ar­bei­ter betrof­fen sind und ob even­tu­ell bereits feh­ler­hafte Mel­dun­gen an die Sozi­al­ver­si­che­rung geschickt wur­den. Sie gilt es nach Abspra­che mit den Exper­ten rasch zu kor­ri­gie­ren. Danach wäre emp­feh­lens­wert, Arbeits­ver­träge für auf Abruf beschäf­tigte Teil­zeit­ar­bei­ter im Mini­job-Seg­ment auf­zu­set­zen, die die Zahl der zu leis­ten­den Stun­den fest­le­gen, um die Vor­ga­ben zum Min­dest­lohn ebenso zu beach­ten wie die zur 450-Euro-Beschäf­ti­gung. Wich­tig: Ist eine wöchent­li­che Min­dest­ar­beits­zeit ver­ein­bart, darf der Arbeit­ge­ber nur bis zu 25 Pro­zent mehr abru­fen. Bei einer wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit darf er nur bis zu 20 Pro­zent weni­ger abru­fen. Auch sol­che Details gilt es zu beach­ten und am bes­ten mit Stun­den­zet­teln zu bele­gen. Der­ar­tige Ver­träge soll­ten stets mit­hilfe eines Exper­ten for­mu­liert wer­den.

Es gibt gu­te Al­ter­na­ti­ven zum Mi­ni­job auf Abruf

Die aktu­el­len Ände­run­gen beim Mini­job auf Abruf könn­ten aber auch als Ein­stieg in ganz neue Über­le­gun­gen die­nen. Eine Alter­na­tive wären Arbeits­zeit­kon­ten. Statt einen Mini­job auf Abruf bekommt der Arbeit­neh­mer einen Arbeits­ver­trag mit einem gleich­blei­ben­den, also ver­ste­tig­tem Ent­gelt von 450 Euro. Er kann je nach Bedarf unter­schied­lich viele Stun­den im Monat leis­ten und Plus- oder Minus­stun­den auf dem Arbeits­zeit­konto sam­meln. Das Arbeits­zeit­konto wird dann inner­halb eines ver­ein­bar­ten Zeit­raums aus­ge­gli­chen. Oder der Mini­job auf Abruf wird zum Midi­job. Das ist nicht ganz so bil­lig für den Unter­neh­mer, bie­tet aber viel Fle­xi­bi­li­tät und hilft so, mög­li­chen Ärger zu ver­mei­den.

Am 1. Juli 2019 wurde aus der bis­he­ri­gen Gleit­zone der Über­gangs­be­reich. Er gilt für Arbeits­ent­gelte von 450,01 Euro bis 1.300 Euro. Die redu­zier­ten Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­träge des Arbeit­neh­mers füh­ren seit­dem nicht mehr zu redu­zier­ten Ren­ten­an­sprü­chen – ihm ent­ste­hen somit trotz redu­zier­ter Bei­träge keine Ren­ten­nach­teile mehr.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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