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Wich­ti­ges zur Ein­kom­men­steuer für Selb­ststän­di­ge und Frei­be­ruf­ler

Ein­kom­men­steuer für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler, das heißt: An Vor­aus­zah­lungs­ter­mi­ne den­ken, Um­­satz- und Ge­wer­be­steuer be­rück­sich­ti­gen, Ge­winn er­mit­teln. Hier hilft der Steuer­be­ra­ter. Er un­ter­stützt bei der Pla­nung, schätzt Ri­si­ken ein, kom­mu­ni­ziert mit dem Fis­kus.

Text: Frank Wiercks


Ein­künfte unter­lie­gen der Lohn- und Ein­kom­men­steuer. Über damit ver­bun­dene Steu­er­zah­lun­gen müs­sen sich Ange­stellte wäh­rend des lau­fen­den Jah­res kaum Gedan­ken machen. Der Arbeit­ge­ber berech­net den Steu­er­an­teil der monat­li­chen Bezüge und über­weist ihn direkt ans Finanz­amt. Wer Kapi­tal­erträge erwar­tet, kann sei­nen Frei­be­trag nut­zen – um das Ermit­teln der Zins­zah­lun­gen und einen mög­li­chen Steu­er­ab­zug küm­mert sich das Geld­in­sti­tut. Spä­ter las­sen sich per Steu­er­erklä­rung ver­schie­dene Aus­ga­ben steu­er­lich gel­tend machen und außer­ge­wöhn­lich hohe Monats­ein­künfte – etwa Weih­nachts­geld – quasi aufs Jahr ver­tei­len. Daher erhal­ten viele ange­stellte Steu­er­pflich­tige im Fol­ge­jahr eine Steu­er­erstat­tung. So funk­tio­niert das übri­gens auch für zahl­rei­che Fir­men­in­ha­ber, die sich eigent­lich immer als Unter­neh­mer bezeich­nen wür­den: Ist etwa ein Gesell­schaf­ter im eige­nen Betrieb als Geschäfts­füh­rer ange­stellt, gilt er steu­er­tech­nisch als Ange­stell­ter. Seine Kapi­tal­ge­sell­schaft zahlt Kör­per­schafts­steuer, er auf sein Gehalt – sowie mög­li­che zusätz­li­che Ein­künfte – seine per­sön­li­che Ein­kom­men­steuer. Etwas anders funk­tio­niert die Ein­kom­men­steuer für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler: Sie müs­sen selbst dar­auf ach­ten, dass der Fis­kus den ihm zuste­hen­den Anteil bekommt.

So zah­len Selb­ststän­di­ge und Frei­be­ruf­ler Ein­kom­men­steuer

Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler müs­sen ihre Ein­kom­men­steuer für das lau­fende Jahr anmel­den bezie­hungs­weise im Vor­aus ent­rich­ten. Sie über­neh­men quasi für sich selbst die Auf­ga­ben jener Lohn­buch­hal­tung, die in grö­ße­ren Unter­neh­men das Geld recht­zei­tig ans Finanz­amt wei­ter­lei­tet. Das beginnt schon bei der Exis­tenz­grün­dung. Wer sich beim Finanz­amt anmel­det, erhält ruck­zuck einen Fra­ge­bo­gen für die steu­er­li­che Erfas­sung zur Pro­gnose erwar­te­ter Ein­künfte – Betriebs­ein­nah­men abzüg­lich -aus­ga­ben. Auf die­ser Basis berech­net der Fis­kus die ers­ten Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen. Frei­be­ruf­ler und Selbst­stän­dige soll­ten ihren Gewinn nicht allzu opti­mis­tisch anset­zen, sonst müs­sen sie sofort statt­li­che Sum­men an die Finanz­kasse über­wei­sen. Bes­ser ist es nor­ma­ler­weise, wegen unver­hofft gut lau­fen­der Geschäfte dann Steu­ern für das erste Jahr der Selbst­stän­dig­keit nach­zu­zah­len. Das bedeu­tet natür­lich, recht­zei­tig aus­rei­chende Rück­la­gen zu bil­den. Keine Vor­aus­zah­lung steht an, wenn unter 400 Euro Ein­kom­men­steuer im Kalen­der­jahr oder 100 Euro zum Vor­aus­zah­lungs­zeit­punkt fäl­lig sind. Und ebenso, wenn das Ein­kom­men unter dem Grund­frei­be­trag von 9.408 Euro (gül­tig für 2020) liegt.

Finanz­amt setzt Ein­kom­men­steuer­vor­aus­zah­lung fest

In den Fol­ge­jah­ren setzt das Finanz­amt dann auto­ma­tisch vier quar­tals­weise zu ent­rich­tende Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen fest, basie­rend auf der jeweils letz­ten Steu­er­erklä­rung. Dafür schreibt es Erfah­rungs­werte der Ver­gan­gen­heit in die Zukunft fort, berech­net dar­auf den per­sön­li­chen Steu­er­ta­rif und ver­rech­net bereits erfolgte Vor­aus­zah­lun­gen. Anschlie­ßend ver­teilt es den Rest­be­trag auf die übri­gen Vor­aus­zah­lungs­ter­mine. Sollte der Gewinn zwi­schen­zeit­lich deut­lich ein­ge­bro­chen sein, las­sen sich auf Antrag mit guter Begrün­dung die Vor­aus­zah­lun­gen her­ab­set­zen. Hier hilft erfah­rungs­ge­mäß eine Jah­res­pro­gnose oder betriebs­wirt­schaft­li­che Aus­wer­tung des Steu­er­be­ra­ters als Argu­men­ta­ti­ons­hilfe – oder am bes­ten stellt gleich er den Antrag. Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler müs­sen bei der Ein­kom­men­steuer auch immer dar­auf ach­ten, dass der geschul­dete Betrag pünkt­lich bei der Finanz­kasse ein­geht: jeweils am 10. März, 10. Juni, 10. Sep­tem­ber und 10. Dezem­ber. Übli­cher­weise kommt circa drei Wochen vor Fäl­lig­keit eine brief­li­che Zah­lungs­er­in­ne­rung. Es ist jedoch emp­feh­lens­wert, sich die Ter­mine zu notie­ren und auch ohne Auf­for­de­rung zu über­wei­sen. Die anste­hen­den Zah­lun­gen ste­hen infor­ma­ti­ons­hal­ber im aktu­el­len Steu­er­be­scheid.

Die Einkommen­steuer­er­klä­rung gilt für alle Ein­künfte

Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler zah­len Ein­kom­men­steuer natür­lich nicht nur auf Ein­künfte aus selbst­stän­di­ger Tätig­keit, son­dern alle Ein­nah­men. Dazu gehö­ren auch Mie­ten, Zins­er­träge oder Aus­schüt­tun­gen aus Fir­men­be­tei­li­gun­gen. Wer sehr unter­schied­li­che Ein­nah­me­quel­len hat, sollte mit sei­nem Steu­er­be­ra­ter klä­ren, wel­che Art der steu­er­li­chen Gestal­tung sich hier anbie­tet. Dies gilt auch für den Fall, das meh­rere selbst­stän­dige Tätig­kei­ten par­al­lel lau­fen. Wich­tig ist ins­be­son­dere das Gespräch dar­über, ob sich etwa über Frei­be­träge, Son­der­aus­ga­ben oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen das zu ver­steu­ernde Ein­kom­men und damit die Steu­er­last sen­ken las­sen. Hier haben Selbst­stän­dige teils bes­sere Mög­lich­kei­ten als Fest­an­ge­stellte, über die der Steu­er­be­ra­ter infor­miert. Aus der Addi­tion ver­schie­de­ner Ein­künfte und dem Abzug diver­ser Posi­tio­nen ergibt sich schließ­lich die Summe, auf die Ein­kom­men­steuer berech­net wird. Dabei steigt der Steu­er­satz von 14 Pro­zent ab dem Grund­frei­be­trag von 9.408 Euro bis 42 Pro­zent bei Ein­kom­men ab 57.040 Euro (2020). Beson­ders hohe Ein­kom­men trifft ein Spit­zen­steu­er­satz von 45 Pro­zent. Dazu kom­men Soli­da­ri­täts­zu­schlag sowie gege­be­nen­falls Kir­chen­steuer.

EÜR: Basis der Ein­kom­men­steuer für Selb­ststän­dige und Frei­be­ruf­ler

Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler zah­len Ein­kom­men­steuer, müs­sen dafür aber zuerst ihren Gewinn ermit­teln. Er fin­det als Ein­nahme aus selbst­stän­di­ger Tätig­keit dann Ein­gang in die Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung. Die Buch­füh­rung über­nimmt am bes­ten der Steu­er­be­ra­ter – ins­be­son­dere, wenn die Pflicht zur dop­pel­ten Buch­füh­rung bezie­hungs­weise Bilan­zie­rung besteht. Viele Frei­be­ruf­ler ent­schei­den sich aber für die ein­fa­chere, ihnen meis­tens aus­rei­chende Gewinn­ermitt­lung per Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung (EÜR). Dabei wer­den, ver­ein­facht gesagt, von den Gesamt­ein­nah­men die betriebs­be­ding­ten Aus­ga­ben abge­zo­gen. Auch da sollte der Steu­er­be­ra­ter unter­stüt­zen. Er kennt sich nicht nur mit kniff­li­gen steu­er­recht­li­chen Fra­gen wie dem Inves­ti­ti­ons­ab­zugs­be­trag aus, son­dern weiß auch, was bei Abschrei­bun­gen oder ver­meint­li­chen Aller­welts­the­men wie der Nut­zung von Arbeits­zim­mer oder Geschäfts­wa­gen zu beach­ten ist. Sinn­voll ist die Zusam­men­ar­beit mit dem Steu­er­be­ra­ter außer­dem, weil er lau­fend betriebs­wirt­schaft­li­che Aus­wer­tun­gen (BWA) sowie Tipps zur steu­er­li­chen Gestal­tung lie­fern kann. Wich­tig für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler bei der Ein­kom­men­steuer: Je mehr Aus­ga­ben sie in der EÜR unter­brin­gen,
desto weni­ger Gewinn ist per Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung zu ver­steu­ern.

Auch an Um­satz­steuer und Ge­wer­be­steuer den­ken

Die Berech­nung der Ein­kom­men­steuer für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler basiert auf der Ermitt­lung des Betriebs­ge­winns. Der ist auch beein­flusst durch die erhal­tene und gezahlte Umsatz­steuer. Wer Ein­nah­men aus unter­neh­me­ri­schen Tätig­kei­ten von bis zu 17.500 Euro (22.000 Euro ab 2020) pro Jahr hat, kann die Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung anwen­den. Er weist in Rech­nun­gen keine Umsatz­steuer aus, die an den Fis­kus abzu­füh­ren wäre, und macht seine Ange­bote damit preis­wer­ter. Aller­dings lässt sich auch Vor­steuer, die für ihn bei Betriebs­aus­ga­ben anfällt, nicht mit ein­ge­nom­me­ner Umsatz­steuer ver­rech­nen bezie­hungs­weise vom Fis­kus erstat­ten. Wer Umsatz­steuer aus­weist, sollte außer­dem beach­ten, dass Net­to­be­träge zur Ermitt­lung des Betriebs­ge­winns die­nen. Ergibt sich bei der Umsatz­steu­er­erklä­rung eine Rück­erstat­tung, ist diese als Betriebs­ein­nahme zu ver­bu­chen, sie erhöht also den Gewinn. Dadurch stei­gen die Ein­nah­men aus selbst­stän­di­ger Tätig­keit für die Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung. Wer mit Umsatz­steuer arbei­tet, sollte mit dem Steu­er­be­ra­ter klä­ren, wie Inves­ti­tio­nen sich mit­tel­bar über die Umsatz­steuer auf das Ein­kom­men aus­wir­ken und bes­ser pla­nen las­sen.

Infektions­ri­si­ko durch Ge­wer­be­ein­nah­men im Blick haben

Auch die Gewer­be­steuer kann zur Berech­nung der Ein­kom­men­steuer für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler rele­vant sein. Gene­rell gilt die Gewer­be­steuer für alle Per­so­nen, die als Unter­neh­mer ein Gewerbe betrei­ben, unab­hän­gig von der Bran­che oder Tätig­keit. Aus­ge­nom­men sind Frei­be­ruf­ler: Für sie greift die Befrei­ung von der Gewer­be­steuer, wenn sie unter § 18 Abs. 1 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes fal­len – etwa Ärzte, Archi­tek­ten oder Kran­ken­gym­nas­ten. In bestimm­ten Ein­zel­fäl­len wäre das aber zur Vor­sicht mit dem Steu­er­be­ra­ter zu klä­ren. Außer­dem kön­nen Frei­be­ruf­ler unter die Gewer­be­steuer fal­len, wenn sie neben ihrer Kern­tä­tig­keit zu hohe Ein­nah­men durch gewerb­li­che Umsätze haben: etwa der Zahn­arzt, der Arti­kel zur Zahn­pflege ver­kauft und so mehr als drei Pro­zent vom Gesamt­um­satz oder 24.500 Euro ein­nimmt. Dann färbt die Gewer­be­steuer auf alle Ein­nah­men ab, auch die frei­be­ruf­li­chen. Ent­ge­hen kön­nen Frei­be­ruf­ler die­sem Infek­ti­ons­ri­siko, indem sie für gewerb­li­che Umsätze ein zwei­tes Unter­neh­men mit getrenn­ten Abläu­fen und Kas­sen orga­ni­sie­ren. Das sollte aber mit einem Exper­ten bespro­chen wer­den.

Mög­li­che Gewerbe­steuer mit der Ein­kom­men­steuer ver­rech­nen

Wich­tig ist die Gewer­be­steuer bei Ein­kom­men­steuer für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler, weil sie eine Dop­pel­rolle spielt. Sie fällt an auf Ertrag aus einem Gewer­be­be­trieb und wird – ermit­telt aus dem soge­nann­ten Gewer­be­steu­er­mess­be­trag und dem Gewer­be­steu­er­he­be­satz der jewei­li­gen Kom­mune – der Kom­mune gezahlt. Gleich­zei­tig sind Ein­künfte aus Gewer­be­be­trieb aber – neben Ein­künf­ten aus Land- und Forst­wirt­schaft, Ein­künf­ten aus selbst­stän­di­ger Arbeit, Ein­künf­ten aus nicht selbst­stän­di­ger Arbeit, Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen, Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung sowie sons­ti­gen Ein­künf­ten – eine der sie­ben defi­nier­ten Ein­kunfts­ar­ten, auf deren Summe Ein­kom­men­steuer anfällt. Damit sich für Selbst­stän­dige und Frei­be­ruf­ler bei der Ein­kom­men­steuer keine dop­pelte Belas­tung ergibt, besteht die Mög­lich­keit zur Anrech­nung der Gewer­be­steuer. Anrech­nen lässt sich der­zeit das 3,8fache des Gewer­be­steu­er­mess­be­trags, höchs­tens aber die tat­säch­lich gezahlte Gewer­be­steuer. So amor­ti­siert sich die Gewer­be­steuer bei einem Gewer­be­steu­er­he­be­satz von 390 Pro­zent voll­stän­dig. Sol­che Fein­hei­ten gehö­ren ins Gespräch mit dem Steu­er­be­ra­ter und soll­ten auch unbe­dingt bei der Umsatz- und Liqui­di­täts­pla­nung berück­sich­tigt wer­den.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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