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So läuft der Betrieb wei­ter, wenn der Chef plötz­lich aus­fällt

Wird ein Unter­neh­mer hand­lungs­un­fä­hig, droht sei­nem Betrieb die Insol­venz. Nur per Vor­sor­ge­voll­macht kann ein Bevoll­mäch­tig­ter den Betrieb ohne Ein­mi­schung des Betreu­ungs­ge­richts naht­los wei­ter­füh­ren.

Text: Frank Wiercks


In klei­nen Unter­neh­men ent­schei­det der Chef meis­tens alleine. Fällt er aus, ist der Betrieb schlag­ar­tig hand­lungs­un­fä­hig. In grö­ße­ren Unter­neh­men gibt es oft wei­tere Geschäfts­füh­rer oder Pro­ku­ris­ten. Dann läuft der Betrieb zumin­dest eine Zeit lang wei­ter, nach­dem der Haupt­ge­sell­schaf­ter oder -geschäfts­füh­rer plötz­lich aus­ge­fal­len ist. Wer­den große Ent­schei­dun­gen nötig, für die seine Zustim­mung erfor­der­lich ist, steht aber auch hier alles still. Um diese Läh­mung im Ernst­fall, die schnell in der Insol­venz enden könnte, zu ver­hin­dern, sollte jeder Unter­neh­mer für sei­nen Betrieb eine nota­ri­ell beglau­bigte Vor­sor­ge­voll­macht erstel­len. Durch die­ses Doku­ment gibt er einem ver­trau­ens­wür­di­gen Bevoll­mäch­tig­ten die Erlaub­nis, die Firma wäh­rend sei­ner Abwe­sen­heit in sei­nem Sinne zu len­ken und weit­rei­chende Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Die Vor­sor­ge­voll­macht sollte nur in Abspra­che mit dem Rechts­an­walt und dem Steu­er­be­ra­ter ver­fasst wer­den und muss exakt auf die indi­vi­du­elle Situa­tion des Unter­neh­mens abge­stimmt wer­den. Dabei sind viele Details zu beach­ten:

Pati­en­ten­ver­fü­gung, Betreu­ungs­ver­fü­gung, Voll­macht

Zwar gehen sowohl Vor­sor­ge­voll­macht wie auch Pati­en­ten- und Betreu­ungs­ver­fü­gung grund­sätz­lich in eine ähn­li­che Rich­tung – jemand ermäch­tigt eine Per­son, für ihn/sie Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wenn er/sie selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. Bei den kon­kre­ten Inhal­ten gibt es aber große Unter­schiede, wes­halb in der Regel min­des­tens zwei unter­schied­li­che Doku­mente erfor­der­lich sind, bei grö­ße­ren Unter­neh­men nor­ma­ler­weise sogar drei.

Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung klärt die Frage, wel­che medi­zi­ni­schen Maß­nah­men man wünscht bezie­hungs­weise nicht wünscht. Liegt jemand bei­spiels­weise im Koma, kann eine juris­tisch was­ser­dichte Pati­en­ten­ver­fü­gung dem Arzt bestimmte lebens­ver­län­gernde Maß­nah­men unter­sa­gen. Grund­sätz­lich bin­det auch eine münd­li­che Pati­en­ten­ver­fü­gung den Arzt, sie wird aber gerade im Stress einer Kran­ken­haus­be­hand­lung oft unter schwie­ri­gen Umstän­den gege­ben oder könnte unklar for­mu­liert sein. Bes­ser ist es darum, sich früh­zei­tig mit dem Thema zu beschäf­ti­gen und eine schrift­li­che Pati­en­ten­ver­fü­gung zu ver­fas­sen, am bes­ten nach Rück­spra­che mit dem Anwalt.

Eine Betreu­ungs­ver­fü­gung dient der Vor­sorge für den Fall, dass man bei all­täg­li­chen Fra­gen nicht mehr selbst ent­schei­den kann. Nor­ma­ler­weise wählt dann das Betreu­ungs­ge­richt einen Betreuer aus. Liegt eine Betreu­ungs­ver­fü­gung vor, wird der Rich­ter in der Regel die gewünschte Per­son bestel­len. Die Betreu­ungs­ver­fü­gung greift erst, wenn das Gericht es ent­spre­chend der gesund­heit­li­chen Situa­tion des Ver­fü­gen­den für erfor­der­lich hält. Außer­dem steht der Betreuer unter der Kon­trolle des Gerichts, es wacht über die Ein­hal­tung der Ver­fü­gung und kann etwa Ein- und Aus­zah­lun­gen auf den Kon­ten des Ver­fü­gen­den prü­fen.

Eine Vor­sor­ge­voll­macht dient dazu, den Gang zum Betreu­ungs­ge­richt zu ver­mei­den und recht­zei­tig bei kla­rem Kopf nota­ri­ell beglau­bigt fest­zu­le­gen, durch wen man im Falle einer even­tu­ell ein­tre­ten­den Geschäfts- oder Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit umfas­send ver­tre­ten wer­den will. Für Fir­men­in­ha­ber ist es ganz wich­tig, dass der über die Vor­sor­ge­voll­macht ein­ge­setzte Ver­tre­ter sofort für die Firma ent­schei­den kann, wenn etwas pas­siert ist – etwa nach einem schwe­ren Auto­un­fall des Chefs. Liegt keine Vor­sor­ge­voll­macht vor, muss das Betreu­ungs­ge­richt erst auf Antrag tätig wer­den und einen Betreuer bestel­len. Oft ver­ge­hen meh­rere Wochen, bis die Rich­ter jeman­den als ver­tre­tungs­be­rich­tigt erklä­ren – in der Zwi­schen­zeit dürfte man­cher Betrieb wegen zu lan­ger Hand­lungs­un­fä­hig­keit längst in der Insol­venz gelan­det sein.

Getrennte Vor­sor­ge­voll­mach­ten für Betrieb und Pri­va­tes

Ein Unter­neh­mer sollte also unbe­dingt mehr­glei­sig fah­ren. Er muss in jedem Fall eine Pati­en­ten­ver­fü­gung auf­set­zen, um seine Wün­sche bei der medi­zi­ni­schen Behand­lung fest­zu­schrei­ben. Und er muss eine Vor­sor­ge­voll­macht for­mu­lie­ren, in der er fest­legt, wel­che ver­trau­ens­wür­dige Per­son die Geschi­cke des Unter­neh­mens mit Ein­tre­ten sei­ner Ent­schei­dungs­un­fä­hig­keit in wel­cher Weise len­ken soll. So ver­hin­dert er, dass im Ernst­fall vom Gericht eine Betreu­ungs­ver­fü­gung erlas­sen wird. Mit der Voll­macht kann er auch Kom­pe­ten­zen auf ver­schie­dene Per­so­nen ver­tei­len, muss dann aber dar­auf ach­ten, dass sie sich nicht gegen­sei­tig blo­ckie­ren. Zudem sollte der Unter­neh­mer eine zweite Vor­sor­ge­voll­macht für sein Pri­vat­ver­mö­gen bezie­hungs­weise für sein Pri­vat­le­ben betref­fende Ent­schei­dun­gen erstel­len. Idea­ler­weise wer­den die Voll­mach­ten gemein­sam mit dem Anwalt for­mu­liert, damit sie sich ergän­zen und nicht in wich­ti­gen Punk­ten wider­spre­chen oder durch unklare Anwei­sun­gen zumin­dest Ent­schei­dun­gen erschwe­ren.

Getrennte Voll­mach­ten für Unter­neh­men und Pri­vat­be­reich

Viele Unter­neh­mer machen kei­nen Unter­schied zwi­schen Betrieb und Pri­vat­ver­mö­gen, zumal wenn sie als Ein­zel­un­ter­neh­mer alle Ent­schei­dun­gen sel­ber tref­fen und mit ihrem gan­zen Ver­mö­gen für ihr unter­neh­me­ri­sches Enga­ge­ment haf­ten. Soll­ten sie uner­war­tet aus­fal­len, gibt es ohne Vor­sor­ge­voll­macht aber schnell Pro­bleme. Ent­ge­gen der oft ver­brei­te­ten Mei­nung haben Ehe­part­ner keine beson­de­ren Ver­tre­tungs- oder sons­ti­gen Rechte. In der Regel wird des­halb vom Betreu­ungs­ge­richt ein Betreuer bestellt, der sowohl pri­vat als auch im Unter­neh­men die Ver­tre­tung über­nimmt. Kom­men dafür meh­rere nahe Ange­hö­rige in Betracht, kann dies zu Zeit­ver­zö­ge­run­gen, gro­ßer Unsi­cher­heit und even­tu­ell sogar Streit etwa zwi­schen Ehe­part­ner und Kin­dern füh­ren. Außer­dem muss der Betreuer dann zuerst ein Ver­mö­gens­ver­zeich­nis erstel­len. In einem Ein­zel­un­ter­neh­men wer­den wich­tige Ent­schei­dun­gen so even­tu­ell ebenso ver­zö­gert wie in einer Per­so­nen- oder Kapi­tal­ge­sell­schaft, weil ohne Vor­sor­ge­voll­macht auch zuerst geklärt wer­den muss, wer bei­spiels­weise bei Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen für den aus­ge­fal­le­nen Gesell­schaf­ter abstim­men darf.

Vor­sicht mit bei einer unein­ge­schränk­ten Vor­sor­ge­voll­macht

Es gibt viele Gründe, warum ein Fir­men­chef plötz­lich nicht mehr die Unter­neh­mens­füh­rung wahr­neh­men kann: ein Unfall, eine schwere Erkran­kung, Unab­kömm­lich­keit an einem ent­fern­ten Ort oder sogar Unter­su­chungs­haft wegen Steuer- oder Zoll­de­lik­ten, bei­spiels­weise Schwarz­ar­beit. In sol­chen Fäl­len sollte sofort ein fähi­ger Ver­trau­ter durch die Vor­sor­ge­voll­macht dazu ermäch­tigt wer­den, drin­gende Ent­schei­dun­gen im Betrieb zu tref­fen. Bei der Wahl die­ser Per­son ist wich­tig, dass sie sich gut mit dem Thema aus­kennt und nicht lange ein­ar­bei­ten muss. Wer für seine Abwe­sen­heit eine Art Nach­fol­ger ein­set­zen und ihn mit einer unein­ge­schränk­ten Voll­macht aus­stat­ten will, sollte sich das gut über­le­gen: Diese Per­son hätte enorme Macht und würde nicht – wie ein gericht­lich ein­ge­setz­ter Betreuer durch das Gericht – auto­ma­tisch von einer über­ge­ord­ne­ten Instanz kon­trol­liert. Des­halb bie­tet es sich an, die Vor­sor­ge­voll­macht nicht nur inhalt­lich sehr sorg­fäl­tig zu for­mu­lie­ren, son­dern gleich­zei­tig auch fest­zu­schrei­ben, wel­che gro­ßen Ent­schei­dun­gen von einer kon­kret benann­ten Kon­troll­in­stanz bestä­tigt wer­den müs­sen. So könnte etwa der Ver­kauf von Fir­men­an­tei­len nur mit Zustim­mung durch den Ehe­part­ner und den Steu­er­be­ra­ter mög­lich sein. Sinn­voll kann es auch sein, für alle gro­ßen Ent­schei­dun­gen in der Vor­sor­ge­voll­macht ein Vier-Augen-Prin­zip fest­zu­schrei­ben – bei­spiels­weise, dass der jewei­lige Abtei­lungs­lei­ter ange­hört oder sogar um sein Ein­ver­ständ­nis gebe­ten wer­den muss.

Ver­schie­de­nen Per­so­nen ein­ge­schränkte Voll­macht geben

Mög­lich ist, jeman­dem eine ein­ge­schränkte Vor­sor­ge­voll­macht zu ertei­len bezie­hungs­weise meh­re­ren Per­so­nen eine Teil­voll­macht für ihren Bereich zu geben: Mit so einer ver­trag­li­chen Rege­lung las­sen sich Befug­nisse der Bevoll­mäch­tig­ten bestim­men, Richt­li­nien beschrei­ben und Kom­pe­ten­zen beschrän­ken. Bei­spiels­weise kann der Pro­duk­ti­ons­lei­ter dann das Mate­rial bestel­len und die Fer­ti­gung am Lau­fen hal­ten. Der kauf­män­ni­sche Lei­ter kann Per­so­nal ein­stel­len oder ent­las­sen und mit der Bank die Finan­zie­rung klä­ren. Der Steu­er­be­ra­ter kann sich um die Zah­len küm­mern und die Kom­mu­ni­ka­tion mit dem Finanz­amt über­neh­men. Alle gemein­sam könn­ten zudem als Bera­tungs­gre­mium für den Ehe­part­ner benannt wer­den, der weit­ge­hende Ent­schei­dun­gen so auf Basis einer umfas­sen­den Infor­ma­tion und Bera­tung tref­fen kann. Eine der­ar­tig aus­ge­klü­gelte Vor­sor­ge­voll­macht sollte in Ruhe mit dem Rechts­an­walt sowie dem Steu­er­be­ra­ter bespro­chen und for­mu­liert wer­den. Die Rolle der dort benann­ten Ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten muss mit die­sen Per­so­nen vor­her genau bespro­chen wer­den, damit sie wis­sen, wor­auf sie sich ein­las­sen und wel­che Spiel­re­geln im Ernst­fall gel­ten. Dann kann ein Betrieb mit so einer Kon­struk­tion auch wäh­rend einer län­ge­ren Abwe­sen­heit des Unter­neh­mers erfolg­reich wei­ter­ge­führt wer­den.

Per­sön­li­che Vor­sor­ge­voll­macht plus Pati­en­ten­ver­fü­gung

Zudem sollte der Unter­neh­mer eine per­sön­li­che Vor­sor­ge­voll­macht inklu­sive Pati­en­ten­ver­fü­gung auf­set­zen, damit sich eine Per­son sei­nes Ver­trau­ens um seine Inter­es­sen außer­halb der Firma küm­mern kann, in Ver­mö­gens- ebenso wie gesund­heit­li­chen und all­ge­mein recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten. Auch das muss nicht immer ein Ange­hö­ri­ger sein, die Auf­gabe kann zum Bei­spiel ein Rechts­an­walt über­neh­men. Wich­tig ist, dass so gut wie mög­lich zwi­schen den Belan­gen des Unter­neh­mens und den per­sön­li­chen The­men getrennt wird und Lösungs­me­cha­nis­men für den Fall exis­tie­ren, dass Unter­neh­mens- und Pri­vat­in­ter­esse nicht deckungs­gleich sind – etwa wenn der Betrieb eine Kapi­tal­spritze aus dem Pri­vat­ver­mö­gen braucht, die der per­sön­li­che Betreuer nicht frei­ge­ben will.

Bei Vor­sor­ge­voll­macht ans Gesell­schafts­recht den­ken

Zwar gibt es viele Mus­ter für eine Vor­sor­ge­voll­macht zum Down­load im Inter­net. Unter­neh­mer soll­ten sie – im Gegen­satz zu Mus­tern für eine Pati­en­ten­ver­fü­gung – aber bes­ser nicht nut­zen. Bei jeder Vor­sor­ge­voll­macht soll­ten Rechts­an­walt und Steu­er­be­ra­ter genau prü­fen, ob es even­tu­ell gesell­schafts­recht­li­che oder tes­ta­men­ta­ri­sche Pro­bleme geben könnte. Bei Fort­füh­rung eines ein­zel­kauf­män­ni­schen Betriebs (GbR oder OHG) etwa wird das Pri­vat­ver­mö­gen des Voll­macht­ge­bers in der Regel durch den Bevoll­mäch­tig­ten haf­tungs­recht­lich mit­ver­pflich­tet. Des­halb ist es emp­feh­lens­wert, dem Bevoll­mäch­tig­ten in die­sem Fall die Befug­nis zu geben, das Unter­neh­men etwa in eine GmbH umzu­wan­deln.

Vor­sor­ge­voll­macht muss zum Gesell­schafts­ver­trag pas­sen

In vie­len Gesell­schafts­ver­trä­gen gibt es zudem schon Rege­lun­gen zur Ver­erb­bar­keit oder zur Ver­tre­tung des Unter­neh­mens im Krank­heits­fall. Sol­che gesell­schafts­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen haben grund­sätz­lich Vor­rang vor einer Vor­sor­ge­ver­fü­gung. Des­halb reicht es nicht, eine Mus­ter-Vor­sor­ge­voll­macht aus­zu­fül­len und zu den Unter­la­gen zu neh­men. So ein Doku­ment muss von Exper­ten dar­auf geprüft wer­den, wie es zu han­dels- und gesell­schafts­recht­li­chen Anfor­de­run­gen steht, und der Inhalt ent­spre­chend ange­passt wer­den. Kom­plex ist auch die Frage nach der Zuläs­sig­keit der Vor­sor­ge­voll­macht zur Wahr­neh­mung orga­ni­sa­to­ri­scher Mit­glied­schafts­rechte, Wahr­neh­mung von Geschäfts­füh­rer­auf-gaben in der GmbH und Wahr­neh­mung von Geschäfts­füh­rer­auf­ga­ben in Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, weil hier eine Bevoll­mäch­ti­gung zur Wahr­neh­mung orga­ni­sa­to­ri­scher Mit­glied­schafts­rechte mit dem für Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und GmbHs gel­ten­den Abspal­tungs­ver­bot kol­li­diert. Dies unter­sagt es, einen Drit­ten unwi­der­ruf­lich und ver­drän­gend zu bevoll­mäch­ti­gen. Zwar ist eine Vor­sor­ge­voll­macht wider­ruf­lich und nicht ver­drän­gend, sollte also zuläs­sig sein. Trotz­dem wäre es emp­feh­lens­wert, dass alle Mit­ge­sell­schaf­ter der Vor­sor­ge­voll­macht zustim­men. Idea­ler­weise wird eine Rege­lung zur Ver­tre­tung per Vor­sor­ge­voll­macht im Gesell­schafts­ver­trag ver­ein­bart. Dies sollte unbe­dingt mit einem Anwalt bespro­chen wer­den.

For­male Anfor­de­run­gen an die Vor­sor­ge­voll­macht

Gel­tungs­dauer: Die Voll­macht muss unbe­dingt wider­ruf­lich und unbe­fris­tet sein. Dann gilt sie, bis der Voll­macht­ge­ber sie wider­ruft oder neue Umstände ein­tre­ten, etwa sein Tod und die Tes­ta­ments­er­öff­nung – und externe Part­ner kön­nen sich bis dahin auf die Gül­tig­keit ver­las­sen.

Nota­ri­elle Beur­kun­dung: Jede Vor­sor­ge­voll­macht muss schrift­lich nie­der­ge­legt wer­den und sollte nota­ri­ell beur­kun­det sein. So wird auto­ma­tisch die Geschäfts­fä­hig­keit des Voll­macht­ge­bers fest­ge­stellt und kann spä­ter nicht ange­zwei­felt wer­den. Zudem ist die nota­ri­elle Beur­kun­dung der Voll­macht unver­zicht­bar, wenn der Bevoll­mäch­tigte auch Grund­stücks­ge­schäfte vor­neh­men, die Ver­tre­tung gegen­über dem Han­dels­re­gis­ter über­neh­men, über GmbH-Anteile ver­fü­gen oder Stimm­rechte aus­üben soll.

Getrennte Urkun­den: Jeder Bevoll­mäch­tigte sollte eine eigene Vor­sor­ge­voll­macht für sei­nen Auf­ga­ben­be­reich erhal­ten. Gibt es nur einen Bevoll­mäch­tig­ten, soll­ten zwei getrennte Urkun­den für Unter­neh­men und Pri­vat­be­reich aus­ge­stellt wer­den. Das ver­wehrt Geschäfts­part­nern zu tiefe Ein­bli­cke in das Pri­vat­le­ben.

Außen­ver­hält­nis: Der Bevoll­mäch­tigte sollte eine umfas­sende Ver­tre­ter­voll­macht in allen oder mög­lichst vie­len Gebie­ten erhal­ten. Sie sollte nicht unter einer Bedin­gung erteilt wer­den, weil der Ver­tre­ter sonst bei jedem Rechts­ge­schäft bewei­sen muss, dass die Vor­aus­set­zun­gen für seine Voll­macht vor­lie­gen.

Innen­ver­hält­nis: Für Bevoll­mäch­tigte, die im Betrieb ent­schei­den sol­len, sind dage­gen Regie­an­wei­sun­gen emp­feh­lens­wert. Zu beson­ders wich­ti­gen Punk­ten sollte ein Ein­zel­un­ter­neh­mer deut­lich machen, wie er sei­nen Betrieb geführt wis­sen möchte. Außer­dem soll­ten diese Regie­an­wei­sun­gen klar fest­le­gen, ob die Firma im Falle sei­ner Geschäfts­un­fä­hig­keit wei­ter­ge­führt oder ver­kauft oder liqui­diert wer­den soll. Bei Mit­ge­sell­schaf­tern einer GmbH ist dies nicht not­wen­dig.

Unter­voll­mach­ten: In der Voll­macht sollte gere­gelt wer­den, ob der Bevoll­mäch­tigte von den Beschrän­kun­gen für Insich­ge­schäfte gemäß § 181 BGB befreit wer­den soll und ob die Ertei­lung von Unter­voll­mach­ten geneh­migt wird.

Pro­kura: Grund­sätz­lich kann es sinn­voll sein, dem Bevoll­mäch­tig­ten für den nor­ma­len Geschäfts­ver­kehr auch Pro­kura zu ertei­len. Dann muss er nicht bei jeder Hand­lung und ins­be­son­dere bei ein­sei­ti­gen Rechts­ge­schäf­ten die Voll­macht vor­le­gen. Dies sollte aber genau mit dem Anwalt bespro­chen wer­den.

Stimm­rechte: Es ist mög­lich, einem Bevoll­mäch­tig­ten eine soge­nannte Stimm­rechts­voll­macht zu geben. Das ermög­licht ohne Vor­sor­ge­voll­macht die Aus­übung des Gesell­schaf­ter­stimm­rechts. Die Stell­ver­tre­tung in der Geschäfts­füh­rung kann durch Bestim­mung eines stell­ver­tre­ten­den Geschäfts­füh­rers erreicht wer­den. Dies muss aber eben­falls mit dem Anwalt geprüft wer­den.

Kon­troll­be­treu­ung: In der Vor­sor­ge­voll­macht kann auch jemand als Kon­troll­be­treuer vor­ge­schla­gen wer­den, falls es sich um schwie­rige Geschäfte han­delt. Dies sollte gut mit dem Anwalt bespro­chen wer­den, weil es dann wie­derum Ent­schei­dun­gen ver­zö­gern könn­ten.

Eintragungen im VorsorgeregisterWich­tige Doku­mente gesam­melt zur Ver­fü­gung stel­len

Die Vor­sor­ge­voll­macht ist das Herz­stück der Pla­nung für den Kri­sen­fall. Sie ent­fal­tet ihre Wir­kung aber nur dann, wenn sie bekannt ist und falls die Bevoll­mäch­ti­gen über die Instru­mente ver­fü­gen, um das Lebens­werk des Unter­neh­mers in sei­ner Ver­tre­tung fort­zu­set­zen. Am bes­ten ist es, die nota­ri­ell beglau­bigte Vor­sor­ge­voll­macht beim Anwalt zu hin­ter­le­gen und dar­über den Bevoll­mäch­ti­gen zu infor­mie­ren. Außer­dem sollte im Zen­tra­len Vor­sor­ge­re­gis­ter die Infor­ma­tion hin­ter­legt wer­den, dass die Vor­sor­ge­voll­macht exis­tiert. Um tätig wer­den zu kön­nen, braucht der Bevoll­mäch­tigte dann die Ori­gi­nal­ur­kunde. Zusätz­lich muss ein Not­fall­kof­fer vor­be­rei­tet wer­den, in dem der Bevoll­mäch­tige alle für seine Auf­ga­ben not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen fin­det. Er sollte eben­falls beim Anwalt oder Steu­er­be­ra­ter ver­wahrt und der Inhalt regel­mä­ßig aktua­li­siert wer­den.

In den Not­fall­kof­fer gehö­ren:

  • die aktu­el­len Gesell­schafts­ver­träge
  • die Beschlüsse der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung
  • die Namen, Adres­sen und Tele­fon­num­mern aller Gesell­schaf­ter, Vor­stands-, Bei­rats- oder Auf­sichts­rats­mit­glie­der
  • die Namen, Adres­sen und Tele­fon­num­mern der Pro­ku­ris­ten
  • die Geschäfts­füh­rer­ver­träge und Anwei­sun­gen an Geschäfts­füh­rer
  • die Namen, Adres­sen und Tele­fon­num­mern aller Bera­ter des Unter­neh­mens
  • eine Auf­stel­lung aller Bevoll­mäch­tig­ten und Voll­mach­ten
  • alle Ver­si­che­rungs- und Ver­sor­gungs­ver­träge
  • alle Miet- und Lea­sing­ver­träge
  • eine Auf­stel­lung über das Betriebs­ver­mö­gen
  • die Namen, Adres­sen und Tele­fon­num­mern wich­ti­ger Mit­ar­bei­ter wie Chef­se­kre­tä­rin oder Betriebs­lei­ter
  • Jah­res­ab­schlüsse

Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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