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Pri­vate Dienst­wa­gen­nut­zung muss stets form­ge­recht sein

Stim­men die For­ma­lien, steht auch Mini­job­bern ein Fir­men­wa­gen mit Erlaub­nis zur Pri­vat­nut­zung zu. Und wer die Ein-Pro­zent-Methode ver­mei­den will, muss ein form­ge­rech­tes Fahr­ten­buch füh­ren.

Text: Frank Wiercks


Welch pfif­fige Idee: Da beschäf­tigt ein Unter­neh­mer seine Frau in Form eines Mini­jobs als Büro-, Orga­ni­sa­ti­ons- und Kurier­kraft und zahlt 400 Euro pro Monat. Auf dem Wege der Bar­loh­num­wand­lung stellt er ihr einen Dienst­wa­gen, der laut Ein-Pro­zent-Rege­lung einen Wert von 385 Euro hat und pri­vat genutzt wer­den darf. Aus­ge­zahlt wer­den der Frau also nur 15 Euro im Monat, aber dafür hat sie ein Auto, das unbe­grenzt für pri­vate Fahr­ten der Fami­lie zur Ver­fü­gung steht. Die Firma ihres Man­nes setzt die kom­plet­ten Fahr­zeug­kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben an. Und das Finanz­ge­richt Köln gibt der Kon­struk­tion sei­nen Segen: Die Kos­ten für ein Fahr­zeug seien auch dann abzugs­fä­hig, wenn es dem Ehe­gat­ten im Rah­men eines gering­fü­gi­gen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses über­las­sen werde. Diese Gestal­tung sei bei einem Mini­job zwar unge­wöhn­lich, aber Inhalt und Durch­füh­rung des Ver­trags ent­sprä­chen dem, was mit frem­den Drit­ten ver­ein­bart würde. Ins­be­son­dere könne nicht fest­ge­stellt wer­den, dass Dienst­wa­gen mit Erlaub­nis zur pri­va­ten Nut­zung nur Voll­zeit­be­schäf­tig­ten oder Füh­rungs­per­so­nal über­las­sen wür­den. Das Finanz­amt hat Revi­sion beim Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ein­ge­legt.

Fir­men­wa­gen mit Ein-Pro­zent-Rege­lung auch für Mini­job­ber

Selbst wenn das Urteil nicht vor dem obers­ten Finanz­ge­richt besteht – die Begrün­dung der Rich­ter erlaubt einen tie­fen Ein­blick in die Kri­te­rien, die gene­rell bei der Bewer­tung von Dienst­wa­gen zugrunde gelegt wer­den und auch künf­tig ent­schei­dend sein dürf­ten. Auf das Ein­hal­ten der ent­spre­chen­den For­ma­lien kommt es an, in die­sem Fall also die ver­trag­li­che Aus­ge­stal­tung der Ein-Pro­zent-Rege­lung. Dass der Arbeits­lohn dann fast nur aus der Fahr­zeug­nut­zung besteht, war zumin­dest für das Finanz­ge­richt Köln kein Argu­ment gegen die Bereit­stel­lung und Ver­rech­nung eines Fir­men­wa­gens. Ande­rer­seits darf dem Begüns­tig­ten kein dop­pel­ter Vor­teil ent­ste­hen. Sollte die Ehe­frau bei­spiels­weise zusätz­lich einer selbst­stän­di­gen Tätig­keit nach­ge­hen, um ihr Mini­job-Ein­kom­men von 15 Euro auf­zu­bes­sern, und dafür den Fir­men­wa­gen nut­zen, wären die in die­sem Zusam­men­hang anfal­len­den Kos­ten nicht vor ihr als Betriebs­aus­ga­ben absetz­bar – da der Arbeit­ge­ber sämt­li­che Pkw-Kos­ten getra­gen hat und die pri­vate Nut­zungs­über­las­sung nach der soge­nann­ten Ein-Pro­zent-Rege­lung ver­steu­ert wurde. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof in einem ande­ren Fall so fest­ge­legt.

Bei hohen Steu­ern form­ge­rech­tes Fahr­ten­buch füh­ren

Also: Mit dem Fir­men­wa­gen kön­nen Unter­neh­mer wie Ange­stellte zwar Steu­ern spa­ren, doch sie müs­sen genau wis­sen, was sie tun. Ohne Ver­trag­scheck durch den Anwalt und die Berech­nung des Steu­er­be­ra­ters, ob der geld­werte Vor­teil aus der Fahr­zeug­nut­zung bes­ser nach der pau­scha­len Ein-Pro­zent-Rege­lung – eher bei preis­wer­ten Autos und vie­len Pri­vat­fahr­ten – oder nach der Fahr­ten­buch-Methode – eher bei teu­ren Autos und vie­len Dienst­rei­sen – ermit­telt wird, droht ein böses Erwa­chen. In die­sem Zusam­men­hang sollte auch noch mal bespro­chen wer­den, wie ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch aus­sieht, denn Feh­ler wer­den hier beson­ders teuer. Schmerz­lich erfah­ren musste das ein Ange­stell­ter mit Mase­rati-Dienst­wa­gen. Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ver­warf sein Fahr­ten­buch, da es offen­kun­dig nach­träg­lich erstellt wor­den war – das für die Ein­tra­gun­gen genutzte For­mu­lar­buch sei erst nach den Streit­jah­ren in den Han­del gekom­men. Daher wurde bei der Steu­er­fest­set­zung die Ein-Pro­zent-Rege­lung zugrunde gelegt, womit sich der Lohn für die umstrit­te­nen Jahre durch den geld­wer­ten Vor­teil um bis zu fast 10.000 Euro mehr erhöhte als vom Ange­stell­ten ange­setzt. Hier noch mal die wich­tigs­ten Aspekte kor­rek­ter Fahr­ten­buch­füh­rung für Unter­neh­mer.

Ein Old­ti­mer kann ein steu­er­lich güns­ti­ger Dienst­wa­gen sein

Gebraucht wird der Steu­er­be­ra­ter natür­lich auch, um den geld­wer­ten Vor­teil zu berech­nen, wenn der Begüns­tigte etwa Nut­zungs­ent­gelte oder andere Zuzah­lun­gen an den Arbeit­ge­ber dafür leis­tet, dass er das Auto außer­dienst­lich nut­zen darf. Das hat der Bun­des­fi­nanz­hof in zwei Urtei­len zur Kfz-Nut­zung für pri­vate Fahr­ten und für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stätte ent­schie­den und damit seine Recht­spre­chung zuguns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen inso­weit modi­fi­ziert, als nun­mehr nicht nur ein pau­scha­les Nut­zungs­ent­gelt, son­dern auch ein­zelne (indi­vi­du­elle) Kos­ten bei Anwen­dung der Ein-Pro­zent-Rege­lung steu­er­lich zu berück­sich­ti­gen sind. Und es kann zudem nicht scha­den, vor der Anschaf­fung eines teu­ren Dienst­wa­gens mit dem Steu­er­be­ra­ter über die Frage der Ange­mes­sen­heit zu spre­chen oder dar­über, ob sich ein wert­vol­ler Old­ti­mer als Fir­men­wa­gen anbie­tet. Dann würde der geld­werte Vor­teil auf Basis des aus heu­ti­ger Sicht lächer­lich nied­ri­gen Brut­to­lis­ten­prei­ses von vor 40 oder 50 Jah­ren berech­net, wäh­rend die Firma kom­plett für den – in der Regel ziem­lich kost­spie­li­gen – Unter­halt des Lieb­ha­ber­stücks auf­kommt.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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