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Spa­ren Sie Sozi­al­ab­ga­ben mit Mini­job & Co. – aber rich­tig

Gering­fü­gige oder kurz­fris­tige Beschäf­ti­gung, Mini­job, meh­rere Arbeits­ver­träge – Sozi­al­ab­ga­ben las­sen sich auf viele Arten drü­cken. Steu­er­be­ra­ter und Anwalt wei­sen den sichers­ten Weg zum Ziel.

Text: Frank Wiercks


In Deutsch­land sind hohe Sozi­al­ab­ga­ben auf Arbeits­ein­kom­men fäl­lig, keine Frage. Exper­ten befürch­ten, die Gesamt­be­las­tung durch Kran­ken-, Pflege-, Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung werde sich durch den demo­gra­fi­schen Wan­del bald der 50-Pro­zent-Marke nähern, je zur Hälfte zu tra­gen von Arbeit­neh­mer und Arbeit­ge­ber. Zudem lei­den die Beschäf­tig­ten unter hohen Steu­er­sät­zen, die das Netto wei­ter min­dern. Einem allein­ste­hen­den Arbeit­neh­mer mit Durch­schnitts­ein­kom­men wur­den 2017 nach Berech­nung der OECD von 100 ver­dien­ten Euro nur 60,10 Euro aus­ge­zahlt, die Belas­tung mit Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben erreichte also fast 40 Pro­zent. Im Durch­schnitt der wohl­ha­ben­den Indus­trie­staa­ten lag die­ser Wert bei 25,5 Pro­zent. Pi mal Dau­men darf man also sagen: Den Unter­neh­mer kos­tet sein Per­so­nal 100 Pro­zent Lohn plus 20 Pro­zent Arbeit­ge­ber­an­teil zur Sozi­al­ver­si­che­rung. Beim Arbeit­neh­mer kommt davon nur die Hälfte an.

Ris­kan­ter Mix gering­fü­gi­ger und kurz­fris­ti­ger Beschäf­ti­gung

Jede Abwehr­stra­te­gie gegen Sozi­al­ab­ga­ben, die der Fir­men­chef zuguns­ten von Unter­neh­men wie Mit­ar­bei­tern plant, muss aber auf ihre Nach­hal­tig­keit hin­ter­fragt wer­den. Sonst kann pas­sie­ren, dass die Ver­si­che­rungs­trä­ger hohe Nach­for­de­run­gen rück­wir­kend für meh­rere Jahre stel­len. So gesche­hen im Fall eines Land­wirts, der krea­tiv ver­schie­dene Mög­lich­kei­ten der Beschäf­ti­gung kom­bi­nierte – für eine Per­son und auf­ein­an­der auf­bau­ende Tätig­kei­ten. Das Pflan­zen und Pfle­gen von Sträu­chern defi­nierte er als gering­fü­gige Beschäf­ti­gung, das Pflü­cken der Bee­ren als sozi­al­ver­si­che­rungs­freie kurz­fris­tige Beschäf­ti­gung. Seine Klage gegen die Ren­ten­ver­si­che­rung, die nach einer Betriebs­prü­fung 5.000 Euro wollte, wies das Sozi­al­ge­richt Heil­bronn ab. Es sah ein ein­heit­li­ches Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis und Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht, soweit das Ent­gelt die Gering­fü­gig­keits­grenze von 400 bezie­hungs­weise 450 Euro im Monat über­schrit­ten hatte, weil es nicht um völ­lig unab­hän­gig von­ein­an­der bestehende Tätig­kei­ten gehe. Arbei­ten im Bereich der Bee­ren­ernte und der Pflege der Pflan­zen sei als ein­heit­li­che Beschäf­ti­gung in der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­tion zu sehen, begin­nend mit dem Anpflan­zen und abschlie­ßend mit dem Ern­ten. Eine sozi­al­ver­si­che­rungs­freie kurz­fris­tige Beschäf­ti­gung habe also nicht vor­ge­le­gen.

Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis lässt sich nicht so ein­fach zer­le­gen

Das gilt natür­lich nicht nur auf dem Bau­ern­hof, son­dern in der gan­zen Wirt­schaft – oft übri­gens über die Betriebs­gren­zen hin­aus. Das Insti­tut für Wis­sen in der Wirt­schaft betont, dass ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis sich nicht allein dadurch zer­le­gen lässt, dass ein Mit­ar­bei­ter mit meh­re­ren orga­ni­sa­to­risch selbst­stän­di­gen Zweig­nie­der­las­sun­gen oder unselbst­ständigen Betriebs­stät­ten eigene Ver­träge abschließt. Tätig­kei­ten bei­spiels­weise für ein Kran­ken­haus und des­sen nicht recht­lich getrenn­tes Aus­bil­dungs­zen­trum gel­ten als ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis, mit den ent­spre­chen­den arbeits- und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen. Unwirk­sam ist laut Sozi­al­ge­richt Dort­mund auch die Auf­spal­tung einer Tätig­keit in eine gering­fü­gige Beschäf­ti­gung sowie eine neben­be­ruf­li­che Tätig­keit mit Auf­wands­ent­schä­di­gung.

Mini­job­ber mit Haupt­be­schäf­ti­gung sind inter­es­sant

Wer plant, mit Instru­men­ten wie gering­fü­gi­ger oder kurz­fris­ti­ger Beschäf­ti­gung zu ope­rie­ren, sollte jeden Ein­zel­fall genau mit einem Anwalt bespre­chen. Bei Mini­jobs kommt ein wei­te­rer zu klä­ren­der Punkt hinzu – die Frage, ob der Beschäf­tigte meh­rere Mini­jobs oder einen Haupt­job hat. Wer mit sei­nen Mini­jobs über 450 Euro im Monat ver­dient, unter­liegt der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht. Inter­es­sant kann sein, jeman­den mit ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Haupt­be­schäf­ti­gung zu enga­gie­ren. Dazu zählt auch eine betrieb­li­che Berufs­bil­dung, ein frei­wil­li­ges sozia­les Jahr des Bun­des­frei­wil­li­gen­diens­tes, der Bezug von Vor­ru­he­stands­geld sowie eine Tätig­keit, die für die Dauer des Bezugs von Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen wie Kran­ken-, Kurz­ar­bei­ter- und Über­gangs­geld unter­bro­chen wird. Diese Per­so­nen kön­nen par­al­lel einen – aber wirk­lich nur einen – 450-Euro-Job mit den ent­spre­chen­den Vor­tei­len für Arbeit­ge­ber und -neh­mer aus­üben.

Bei meh­re­ren Arbeit­ge­bern Auf­tei­lung der Abzüge beach­ten

Wer­den dage­gen gut ver­die­nende Fach­kräfte mit Arbeits­ver­trä­gen bei ver­schie­de­nen Unter­neh­men beschäf­tigt, haben vor allem Steu­er­be­ra­ter gut zu tun – sie müs­sen berech­nen, wel­che Sozi­al­ab­ga­ben jeder ein­zelne Betrieb in Rela­tion zum bei ihm bezo­ge­nen Gehalt an die Sozi­al­kas­sen über­wei­sen muss, falls das Gesamt­ein­kom­men aus den Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen über den Bemes­sungs­gren­zen liegt. Das klingt aka­de­misch, wird aber immer wich­ti­ger: Gerade gesuchte Spe­zia­lis­ten sind als fest ange­stellte Teil­zeit­kräfte immer öfter für meh­rere Arbeit­ge­ber tätig.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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