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Der Bun­des­fi­nanz­hof

Nach dem Grund­ge­setz geht alle Staats­ge­walt vom Volke aus und wird in Wah­len und Abstim­mun­gen und durch beson­dere Organe aus­ge­übt.


Diese beson­de­ren Organe fin­den sich ent­spre­chend dem Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip in der Gesetz­ge­bung (Legis­la­tive), der voll­zie­hen­den Gewalt (Exe­ku­tive) und der Recht­spre­chung (Judi­ka­tive) wie­der.

Die recht­spre­chende Gewalt ist den Rich­tern anver­traut und wird durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, durch die in die­sem Grund­ge­setz vor­ge­se­he­nen Bundesge­richte und durch die Gerichte der Län­der aus­ge­übt. Für die Gebiete der ordent­li­chen, der Ver­wal­tungs-, der Finanz-, der Arbeits- und der Sozi­al­ge­richts­bar­keit errich­tet der Bund als oberste Gerichts­höfe den Bun­des­ge­richts­hof, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, den Bun­des­fi­nanz­hof, das Bun­des­ar­beits­ge­richt und das Bun­des­so­zi­al­ge­richt. Die­ser Arti­kel gibt einen klei­nen Über­blick über das oberste Gericht für Steuer- und Zoll­sa­chen, den Bun­des­fi­nanz­hof.

Der Rechts­weg

Nach den eige­nen Aus­füh­run­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs inner­halb sei­nes Inter­net­auf­tritts „kann man sagen, dass die Finanz­ge­richts­bar­keit den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern Rechts­schutz zu gewäh­ren hat, wenn sie durch Maß­nah­men der Finanz­be­hör­den (ins­be­son­dere Finanz­äm­ter, Haupt­zoll­äm­ter) in Steuer-, Zoll- oder Finanz­mo­no­pol­sa­chen in ihren Rech­ten ver­letzt wer­den.“ Dadurch wird ein effek­ti­ver Rechts­schutz gewährt: Gegen einen Akt einer Finanz­be­hörde – z. B. einen Ein­kom­men­steu­er­be­scheid – kann Ein­spruch ein­ge­legt wer­den. Über den Ein­spruch ent­schei­det die Finanz­be­hörde selbst. Nach Abschluss des Ein­spruchs­ver­fah­rens z. B. durch eine Ein­spruchs­ent­schei­dung, kann Klage beim Finanz­ge­richt erho­ben wer­den. Gegen die Ent­schei­dung der Finanz­ge­richte kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den.

Wäh­rend der Auf­bau der Gerichte in der „ordent­li­chen Gerichts­bar­keit“ (Zivil- und Straf­sa­chen) vier­stu­fig orga­ni­siert ist (Amts­ge­richt, Land­ge­richt, Ober­lan­des­ge­richt und Bun­des­ge­richts­hof), ist die Finanz­ge­richts­bar­keit zwei­stu­fig auf­ge­baut.

Geschäfts­ver­tei­lungs­plan

Die an den Bun­des­fi­nanz­hof her­an­ge­tra­ge­nen Fälle wer­den von Sena­ten ent­schie­den. Die Fälle wer­den nach Sach­ge­bie­ten und teil­weise auch nach Buch­sta­ben­kri­te­rien auf die ein­zel­nen Senate auf­ge­teilt. Der­zeit sind elf Senate ein­ge­rich­tet:

  • I. Senat: Kör­per­schaft­steuer, Außen­steu­er­recht, Dop­pel­be­steue­rung
  • II. Senat: Erb­schaft­steuer, Grund­er­werb­steuer, Grund­steuer, Kraft­fahr­zeug­steuer
  • III. Senat: Ein­zel­ge­wer­be­trei­bende, Ein­künfte aus selbst­stän­di­ger Arbeit, Kin­der­geld, Inves­ti­ti­ons­zu­la­gen
  • IV. Senat: Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten
  • V. Senat: Umsatz­steuer, Kör­per­schaft- und Gewer­be­steuer (Steu­er­be­frei­un­gen), Kin­der­geld
  • VI. Senat: Lohn­steuer, außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen, Land- und Forst­wirt­schaft
  • VII. Senat: Zölle- und Ver­brauch­steu­ern, Markt­ord­nung, Steu­er­be­ra­tungs­recht, all­ge­mei­nes Abga­ben­recht
  • VIII. Senat: Ein­künfte aus selb­stän­di­ger Arbeit, Kapi­tal­ein­künfte
  • IX. Senat: Ver­mie­tung und Ver­pach­tung, pri­vate Ver­äu­ße­rungs­ge­schäfte
  • X. Senat: Ein­zel­ge­wer­be­trei­bende, Son­der­aus­ga­ben, Alters­ein­künfte und -vor­sorge
  • XI. Senat: Umsatz­steuer, Kin­der­geld
  • Gro­ßer Senat z. B. für unter­schied­li­che Auf­fas­sung ein­zel­ner Senate zu der­sel­ben Rechts­frage

Ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Der Weg zum Bun­des­fi­nanz­hof führt in fast allen Fäl­len über die Rechts­mit­tel Revi­sion, Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde oder Beschwerde. Die Finanz­ge­richte ent­schei­den meist durch Urteil, in denen sie die Revi­sion zulas­sen kön­nen. In die­sem Fall kann gegen das Urteil unmit­tel­bar Revi­sion beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­legt wer­den.

Beim Bun­des­fi­nanz­hof han­delt es sich um eine Rechts­in­stanz, das bedeu­tet, er ent­schei­det über die rich­tige Anwen­dung des Rechts. Er stellt hin­ge­gen – anders als die 18 Finanz­ge­richte – regel­mä­ßig keine Tat­sa­chen fest.

Teilt der Bun­des­fi­nanz­hof die Rechts­auf­fas­sung des Finanz­ge­richts, so weist er die Revi­sion als unbe­grün­det zurück. Folgt er der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts nicht, so hebt er des­sen Ent­schei­dung auf und ent­schei­det ent­we­der in der Sache selbst oder – falls er wesent­li­che Tat­sa­chen für unge­klärt hält – ver­weist die Sache an das Finanz­ge­richt zurück.

Meist ent­schei­det der Bun­des­fi­nanz­hof durch Urteil.

Hat das Finanz­ge­richt die Revi­sion gegen sein Urteil nicht zuge­las­sen, so kann der Bun­des­fi­nanz­hof die Revi­sion gegen das Urteil des Finanz­ge­richts zulas­sen. Gibt der Bun­des­fi­nanz­hof die­ser soge­nann­ten Nicht­zu­las­sungs­be­schwerde statt, wird das Ver­fah­ren als Revi­si­ons­ver­fah­ren fort­ge­führt.

Gegen finanz­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen, die nicht Urteile sind, kann Beschwerde zum Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­legt wer­den. In die­sen Fäl­len ist der Bun­des­fi­nanz­hof Rechts- und Tat­sa­chen­in­stanz und ent­schei­det immer durch Beschluss.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


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