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Dienst­klei­dung abset­zen? Steu­er­be­ra­ter fra­gen!

Steu­er­lich betrach­tet ist Berufs­be­klei­dung ein kno­chen­tro­cke­nes, unüber­schau­ba­res Thema. Aber die Beschäf­ti­gung damit lohnt sich, denn es geht oft um viel Geld. Der Steu­er­be­ra­ter hilft beim Spa­ren.


Text: Midia Nuri


Ob hippe Turn­schuhe, die der neus­ten Mode fol­gen, wirk­lich der große Trend in Sachen Arbeits­klei­dung sind, Stich­wort „Sili­con Val­ley“ und „Genera­tion locker flo­ckig“? Oder sollte man doch lie­ber jeden Tag ins glei­che Stan­dard­ensem­ble schlüp­fen und den Kopf so frei hal­ten für hof­fent­lich wich­ti­gere Dinge als die Aus­wahl der Kla­mot­ten, wie der zum Süd­ku­rier aus Kon­stanz gehö­rende Blog „Himate“ vor­schlägt? Für man­che Fir­men­chefs gehen Hemds­är­mel und Snea­kers in Ord­nung, andere dage­gen legen Wert dar­auf, sowohl im Unter­neh­men wie auch außer­halb mit Schlips zum Anzug auf­zu­tre­ten – und ver­lan­gen Ähn­li­ches auch von den Mit­ar­bei­tern. So man­cher ent­schei­det sich gleich für eine ein­heit­li­che Fir­men­klei­dung, um dem Unter­neh­mens­auf­tritt das gewisse Etwas zu geben.

Auch bei der Berufs­klei­dung redet das Finanz­amt mit

Allein vom per­sön­li­chem Geschmack, ein wenig Mar­ke­ting und Selbst­dar­stel­lung sowie viel­leicht einer Prise Selbst­ma­nage­ment hängt die Fir­men­klei­dung trotz­dem nicht ab. So ein­fach macht es der Gesetz­ge­ber dem Arbeit­ge­ber nicht. Man­che Unter­neh­men müs­sen bei Stoff und Schu­hen all­ge­mein­ver­bind­li­che Sicher­heits- oder Hygie­ne­vor­schrif­ten erfül­len. Viele sind an tarif­lich aus­ge­han­delte Rege­lun­gen gebun­den. Und jedes muss sich natür­lich an Gerichts­ent­schei­dun­gen zu die­sem Thema ori­en­tie­ren, die bis zu der Frage rei­chen, wer die Kos­ten für vor­ge­schrie­bene Klei­dung sowie deren Rei­ni­gung zu tra­gen hat oder ob das Umzie­hen als Arbeits­zeit gilt. Da-rüber hin­aus gilt es, stets die steu­er­li­chen Fines­sen beim Abzug als Betriebs­aus­gabe zu berück­sich­ti­gen. Der Stoff der Steu­er­ge­setze ist dicht gewebt, beim Thema Fir­men- und Berufs­be­klei­dung tut des­halb Rat von Steu­er­be­ra­ter und Anwalt oft Not.

Rei­ni­gung von Hygi­e­neklei­dung ist Arbeit­ge­ber­sa­che

Was etwa das Rei­ni­gen von Hygi­e­neklei­dung betrifft, ist die Sache höchst­rich­ter­lich klar: Der Betrieb trägt die Kos­ten, so das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) im Fall eines Schlacht­hofs. Ein Mit­ar­bei­ter hatte dage­gen geklagt, dass von sei­nem Monats­lohn für die Rei­ni­gung der von ihm getra­ge­nen wei­ßen Hygi­e­neklei­dung 10,23 Euro abge­zo­gen wur­den. Diese per Lohn­ab­zug ein­ge­for­derte Erstat­tung wer­te­ten die Arbeits­rich­ter als unrecht­mä­ßig. Der Betrieb habe „die Rei­ni­gungs­kos­ten nicht im Inter­esse des Klä­gers, son­dern im Eigen­in­ter­esse auf­ge­wen­det“. Sie ver­wie­sen auf ein­schlä­gige Vor­schrif­ten, nach denen in einem Bereich, in dem mit Lebens­mit­teln umge­gan­gen wird, geeig­nete und sau­bere Arbeits­klei­dung zu tra­gen sei. „In lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­den Betrie­ben hat der Arbeit­ge­ber dafür zu sor­gen, dass seine Arbeit­neh­mer sau­bere und geeig­nete Hygi­e­neklei­dung tra­gen“, so die Rich­ter. „Zu sei­nen Pflich­ten gehört auch die Rei­ni­gung die­ser Klei­dung auf eigene Kos­ten.“

Ist Klei­dung vor­ge­schrie­ben, gilt Umzie­hen als Arbeits­zeit

Nur: Lässt sich so ein Urteil ver­all­ge­mei­nern? Ist die Anschaf­fung von aus hygie­ni­schen Grün­den betriebs­not­wen­di­ger Klei­dung auto­ma­tisch Arbeit­ge­ber­sa­che? Betrifft die Ent­schei­dung alle Fir­men, deren Mit­ar­bei­ter spe­zi­elle Klei­dung gemäß bestimm­ter Hygie­ne­vor­schrif­ten tra­gen müs­sen, neben der Nah­rungs­mit­tel­ver­ar­bei­tung etwa die Gas­tro­no­mie oder den medi­zi­ni­schen Bereich? Ein wich­ti­ger Anhalts­punkt ist bei die­ser Über­le­gung die Frage, ob spe­zi­elle Klei­dung im Inter­esse der Firma ist. Das ist die Maß­gabe, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt auch mit Blick auf Umklei­de­zei­ten anlegt. Dient das Umzie­hen dem Fir­men­in­ter­esse, muss es vom Arbeit­ge­ber finan­ziert wer­den, urteil­ten die BAG-Rich­ter: Umklei­de­zeit ist dann Arbeits­zeit und muss ent­spre­chend bezahlt wer­den. Zu berück­sich­ti­gen ist in die­sem Zusam­men­hang auch, ob es dem Mit­ar­bei­ter sowie Mit­rei­sen­den in Bus­sen und Bah­nen aus hygie­ni­schen Grün­den zuzu­mu­ten ist, dass jemand mit erheb­lich ver­schmutz­ter beruf­li­cher Schutz­klei­dung nach Hause fährt. Was also gilt im jewei­li­gen Ein­zel­fall? Viele Fra­gen, unvoll­stän­dige Ant­wor­ten.

Tarife und betrieb­li­che Pra­xis mit Anwalt bespre­chen

Unter­neh­mer soll­ten daher zum gesam­ten The­men­kom­plex Berufs­klei­dung ihren Anwalt oder Steu­er­be­ra­ter fra­gen, zumal jedes Detail zählt. Nicht geklärt hat das BAG im Fall der Rei­ni­gungs­kos­ten etwa aus­drück­lich, ob der Arbeit­ge­ber mit dem Arbeit­neh­mer eine andere Rege­lung hätte ver­ein­ba­ren kön­nen. Das war schlicht nicht ver­sucht wor­den, aber prin­zi­pi­ell lässt sich im gegen­sei­ti­gen Ein­ver­ständ­nis man­che Pflicht auf den Arbeit­neh­mer über­tra­gen. Das kann gesche­hen, wenn die Schutz­klei­dung zum Bei­spiel dem Schutz der pri­va­ten Tracht dient – also zumin­dest teils pri­va­ten Inter­es­sen dient. Ver­trag­li­che Rege­lun­gen dür­fen den Mit­ar­bei­ter aller­dings nicht über­mä­ßig belas­ten. Und im Unter­neh­men darf nicht bereits eine betrieb­li­che Pra­xis ent­stan­den sein – auch die schafft recht­li­che Fak­ten. Wer hier auf fun­dier­ter Basis ent­schei­den und even­tu­ell Ver­än­de­run­gen durch­set­zen will, sollte also am bes­ten vorab alle damit ver­bun­de­nen Fra­gen von einem Anwalt klä­ren las­sen.

Viele Tarif­ver­träge machen Vor­ga­ben auch zur Klei­dung

Denn natür­lich kann ein Unter­neh­mer sei­nen Mit­ar­bei­tern auch abseits von Hygiene und Sicher­heit vor­schrei­ben, wie sie sich klei­den sol­len. Er kann etwa vor­ge­ben, sich bran­chen­üb­lich zu klei­den oder gar – in klei­ne­ren Betrie­ben aber eher eine Sel­ten­heit – gemäß einer Klei­der­richt­li­nie. In die­sen Fäl­len muss er sich dadurch nicht ein­mal an den Kos­ten für die Klei­dung betei­li­gen. Nur sind sol­che Vor­ga­ben ohne Rück­spra­che mit einem Anwalt in jedem Fall ris­kant, denn viele Tarif­ver­träge ent­hal­ten auch Rege­lun­gen für die Kos­ten von Klei­dung. Davon kann im Falle einer All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­er­klä­rung sogar ein Unter­neh­mer betrof­fen sein, der sich eigent­lich unab­hän­gig in sei­nen Ent­schei­dun­gen wähnt.

Beruf­li­che Klei­dung ist ein Thema für den Steu­er­be­ra­ter

Bei der steu­er­li­chen Betrach­tung von Berufs­klei­dung bleibt oft noch mehr Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum als aus arbeits- und tarif­recht­li­cher Sicht. Soweit klar: Arbeit­ge­ber, die ihren Mit­ar­bei­tern betriebs­not­wen­dige Klei­dung und des­sen Rei­ni­gung bezah­len, kön­nen diese Kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben anset­zen. Für Mit­ar­bei­ter, die die Kos­ten für Berufs­klei­dung und deren Rei­ni­gung selbst tra­gen, gilt prin­zi­pi­ell das­selbe mit Blick auf die Wer­bungs­kos­ten. Aller­dings ist hier dann auch schon Schluss mit ein­fach. Rigo­ros schiebt der Fis­kus hier der Mög­lich­keit einen Rie­gel vor, teils pri­vate Kos­ten der All­ge­mein­heit auf­zu­las­ten. Nicht akzep­tiert wird der Abzug als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten für bür­ger­li­che Klei­dung – auch wenn die Klei­dung nach­weis­lich nur am Arbeits­platz getra­gen wird.

Auf­fäl­lige Warn­schutz­klei­dung lässt sich leich­ter abset­zen

Ein­wand­frei als Betriebs­aus­ga­ben wer­ten die Finanz­äm­ter nur, was Uni­form ist, Uni­form­cha­rak­ter hat oder als Sicher­heits- oder Hygie­neschutz­klei­dung dient. Akzep­tiert wer­den meis­tens auch Blau­mann oder der weiße Kit­tel für das medi­zi­ni­sche Per­so­nal. Bei wei­ßen T-Shirts oder Unter­wä­sche – selbst mit Auf­druck – aber wird es schon schwie­ri­ger. Manch­mal las­sen Finanz­äm­ter die Kos­ten sol­cher Beklei­dung gel­ten, sofern Unter­neh­mer oder Ange­stellte sie im Spe­zi­al­wa­ren­han­del für Berufs­be­klei­dung erwor­ben haben – aber bei­leibe nicht immer. Es gibt des­halb bei­spiels­weise Land­ver­mes­ser, die für ihre Tätig­keit auf der Bau­stelle keine – ein­deu­tig beruf­lich erfor­der­li­che – Jacke-Hose-Kom­bi­na­tion aus stra­pa­zier­fä­hi­gem, zur Jah­res­zeit pas­sen­den Stoff mehr kau­fen, son­dern lie­ber auf­fäl­lige Warn­schutz­be­klei­dung. Die wird vom Finanz­amt eher akzep­tiert – weil damit ver­meint­lich nie­mand zum pri­va­ten Wochen­end­aus­flug ins Grüne star­ten würde, wohl aber mit weni­ger auf­fäl­li­ger Berufs­klei­dung.

Für man­che Berufs­grup­pen kön­nen Aus­nah­men gel­ten

Doch selbst von die­ser strik­ten Regel „Keine bür­ger­li­che Klei­dung“ gibt es Aus­nah­men. Je nach Bran­che oder Region kann auch sie beim Finanz­amt durch­ge­hen: etwa der Frack für den Emp­fangs­chef eines Hotels oder einen Orches­ter­mu­si­ker am Thea­ter, die schwar­zen Hosen und Röcke für Ser­vice­kräfte oder aber die Sport­be­klei­dung eines Sport­leh­rers. Und wer in Ber­lin auf Mes­sen oder in Hotels Dirndl oder Leder­hose tra­gen muss, sollte diese eben­falls ver­su­chen anzu­set­zen. Der Steu­er­be­ra­ter weiß, was geht und was eher nicht.

Ein­heit­li­che Fir­men­klei­dung stärkt das Fir­men­image und ist abzieh­bar

Mit bedruck­ter oder farb­lich auf­fäl­lig gestal­te­ter Fir­men­klei­dung wäre das steu­er­li­che Pro­blem mit sonst bür­ger­li­cher Klei­dung gelöst. Logo oder fir­men­mä­ßige Gestal­tung macht den rein pro­fes­sio­nel­len Cha­rak­ter der Klei­dung leich­ter plau­si­bel. Unter­neh­mer kön­nen sich dann auch wie­der modisch und öko­lo­gisch stär­ker aus­le­ben – und statt im Fach­han­del für Berufs­be­klei­dung viel­leicht öko­lo­gisch kor­rekte Mode bedru­cken las­sen. Hier ist die Rück­spra­che mit dem Steu­er­be­ra­ter – vorab – wich­tig. Er kann ein­schät­zen, wann der Wer­be­auf­druck mit Fir­men­em­blem oder -logo den Abzug als Betriebs­aus­ga­ben oder beim Mit­ar­bei­ter als Wer­bungs­kos­ten recht­fer­tigt und was viel­leicht zu dezent ist, um noch als Fir­men­klei­dung durch­zu­ge­hen. Inter­es­sant macht Fir­men­klei­dung natür­lich nicht nur der steu­er­li­che Aspekt: Der damit ein­her­ge­hende ein­heit­li­che Auf­tritt poliert die Außen­wir­kung des Unter­neh­mens. Der Kunde sieht auf den ers­ten Blick, ob er mit sei­ner Frage an einen Mit­ar­bei­ter oder an einen ande­ren Kun­den gerät.

Schutz­klei­dung sollte der Arbeit­ge­ber sel­ber rei­ni­gen

Beson­dere Vor­ge­hens­wei­sen könn­ten übri­gens für die Per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) emp­feh­lens­wert sein, die gerade viele Hand­werks­un­ter­neh­men ihren Mit­ar­bei­tern stel­len. Hier wäre es etwa sinn­voll, als Unter­neh­men selbst die Rei­ni­gung zu über­neh­men bezie­hungs­weise einen Spe­zi­al­an­bie­ter damit zu beauf­tra­gen, damit etwa Sicher­heits­funk­tio­nen der Klei­dung nicht durch unsach­ge­mäße Rei­ni­gung in der pri­va­ten Wasch­ma­schine beschä­digt wer­den.


Bei Fra­gen spre­chen Sie uns gerne an.


Quelle: www​.tria​log​-unter​neh​mer​blog​.de
Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg

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