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Aus­lands­ge­schäfte: Konto, Karte oder bar?

In zahl­rei­chen Län­dern sind Geschäfts­kon­ten vor Ort für die Abwick­lung von Geschäf­ten ent­behr­lich. In man­chen Regio­nen aber brau­chen Unter­neh­men doch eine Bank­ver­bin­dung. Dann müs­sen sie auch auf die Steu­er­de­tails ach­ten.

Autor: Midia Nuri


Er hat viele Kun­den und Lie­fe­ran­ten im Aus­land, aber ein Geschäfts­konto besitzt er dort nicht. „Wir brau­chen keins“, meint Tho­mas Jäger, Grün­der und geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter von Jäger Direkt, einem Her­stel­ler elek­tro­tech­ni­scher Pro­dukte im hes­si­schen Rei­chels­heim. Über­zeugt pflich­tet er Bri­gitte Ber­res bei, die das Team Buch­hal­tung lei­tet und betont: „Wir und unsere Kun­den kom­men mit SEPA-Über­wei­sun­gen per IBAN- und BIC-Num­mer bes­tens zurecht, damit kön­nen wir so ziem­lich alles bewäl­ti­gen.“
In Zukunft machen der ein­heit­li­che euro­päi­sche Zah­lungs­ver­kehrs­raum SEPA (Sin­gle Euro Pay­ments Area) und immer viel­fäl­ti­gere Zah­lungs­ver­fah­ren für noch mehr Unter­neh­men mit aus­län­di­schen Kun­den oder Lie­fe­ran­ten ein Konto vor Ort über­flüs­sig. Durch SEPA ent­steht ein Groß­raum ohne Unter­schied zwi­schen Inlands- und Aus­lands­über­wei­sung aus 32 Län­dern.

Nicht nur Preise ver­glei­chen. Auch Last­schrif­ten sol­len dann mit SEPA grenz­über­schrei­tend so ein­fach und sicher lau­fen wie bis­lang schon Inlands­trans­ak­tio­nen. Ange­schlos­sen sind neben den 27 EU-Staa­ten auch die Schweiz, Monaco, die zum Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum gehö­ren­den Län­der Liech­ten­stein, Nor­we­gen und Island sowie die fran­zö­si­schen Über­see­de­par­te­ments Gua­de­loupe, Fran­zö­sisch-Gua­yana, Mar­ti­ni­que, Réunion und Mayotte. Die bei EU-Stan­dard­über­wei­sun­gen frü­her gel­tende Betrags­grenze von 50.000 Euro ent­fällt.

Ein eige­nes Konto in einem ande­ren SEPA-Land zu haben ist für deut­sche Unter­neh­men also über­flüs­sig. „Der ein­zige Grund dafür wäre, dass es eine Bank dort güns­ti­ger anbie­tet“, so Gerald Wogatzki, Pro­fes­sor für Betriebs­wirt­schafts­lehre mit Schwer­punkt Ban­ken und Finan­zie­rungs­fra­gen an der Fach­hoch­schule des Mit­tel­stan­des in Bie­le­feld. Eine grö­ßere Rolle als die Kos­ten soll­ten bei einem Geschäfts­konto aller­dings Fra­gen der Leis­tung und Kun­den­freund­lich­keit spie­len, gibt er zu beden­ken: „Zumal die Zah­lungs­ab­wick­lung sicher nicht das wich­tigste Thema ist, son­dern letzt­lich vor allem Finan­zie­rungs­fra­gen ent­schei­den.“
Außer­halb des SEPA-Raums bleibt ein Konto vor Ort für Aus­lands­ge­schäfte aller­dings oft sinn­voll, bei­spiels­weise in Russ­land oder China. „Hat ein Land Kapi­tal­ver­kehrs­be­schrän­kun­gen, muss man das Geld ja irgendwo las­sen“, meint Wogatzki. So kon­trol­liert etwa die chi­ne­si­sche Devi­sen­be­hörde Über­wei­sun­gen an aus­län­di­sche Emp­fän­ger streng. Schon eine Zah­lung von 30.000 US-Dol­lar ist dann ziem­lich kom­pli­ziert. Sie erfor­dert je nach Über­wei­sungs­zweck und Emp­fän­ger umfang­rei­che Anträge und Nach­weise. Unter­neh­mer fah­ren also bes­ser damit, Ein­nah­men vor­über­ge­hend auf einem eige­nen Konto vor Ort zu par­ken und damit spä­ter For­de­run­gen im Land direkt zu beglei­chen, statt hier­für dann Über­wei­sun­gen aus Deutsch­land zu ver­an­las­sen. Fir­men­chefs, die das pla­nen, rät Wogatzki: „Man sollte sich stets ein Urteil über die Sta­bi­li­tät in dem jewei­li­gen Land bil­den.“

Steu­er­fal­len aus­wei­chen. Gene­rell außer­or­dent­lich wich­tig ist bei jedem Aus­lands­konto, mit dem Steu­er­be­ra­ter detail­liert zu klä­ren, wie even­tu­ell anfal­lende Zin­sen behan­delt wer­den: Wird etwa eine Zins­er­trag­steuer vor Ort fäl­lig? Regeln Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men die Erhe­bung und Mel­dung einer Quel­len­steuer? Und in wel­chem Umfang kön­nen dann Erträge und Abzüge ver­rech­net wer­den? Nur ein erfah­re­ner Steu­er­ex­perte kennt die Fall­stri­cke und kann den Unter­neh­mer so davor bewah­ren, aus rei­ner Unwis­sen­heit etwa Steu­ern zu hin­ter­zie­hen und dadurch eine teure Nach­zah­lung oder sogar Schlim­me­res zu ris­kie­ren.

Selbst in der EU muss ein Fir­men­chef – beim geschäft­li­chen Aus­lands­konto und beim Pri­vat­konto zur Geld­an­lage – an unter­schied­li­che Regeln den­ken. Bei natür­li­chen Per­so­nen etwa gibt es mit vie­len Län­dern einen Infor­ma­ti­ons­aus­tausch. Zwar lie­gen sel­ten große Sum­men auf dem Aus­lands­konto – außer bei Tages­kon­ten zur Geld­an­lage. Aber immer muss der Unter­neh­mer bei die­sen Län­dern beach­ten, dass Mit­tei­lun­gen an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern in Deutsch­land gehen und das hie­sige Finanz­amt so von Erträ­gen erfährt. In Öster­reich hin­ge­gen erfolgt ein Quel­len­steu­er­ab­zug. Bei Kon­ten in Luxem­burg kann man zwi­schen dem Quel­len­steu­er­ab­zug und der Kon­troll­mit­tei­lung wäh­len.

Auch an Sicher­heit den­ken. Eine abgel­tende Wir­kung hat die Quel­len­be­steue­rung aller­dings nicht. „Der Steu­er­zah­ler muss die Zins­ein­nah­men in jedem Fall in Deutsch­land erklä­ren“, sagt Isa­bel Klo­cke, Refe­ren­tin für Steu­er­recht beim Bund der Steu­er­zah­ler in Ber­lin. „Gege­be­nen­falls wird die Quel­len­steuer dann auf die deut­sche Ein­kom­men­steuer ange­rech­net.“ Auch Dritt­län­der wie Liech­ten­stein, Andorra, Monaco, San Marino oder die Schweiz behal­ten bei bestimm­ten Kapi­tal­an­la­gen Quel­len­steu­ern ein.

Ent­schei­det sich ein Unter­neh­mer für eine aus­län­di­sche Kon­to­ver­bin­dung, muss er sich auch mög­li­cher tech­ni­scher Gefah­ren bewusst sein. Über Schnitt­stel­len wie den E-Mail-Ver­kehr fin­det in China oder afri­ka­ni­schen Län­dern eine beson­dere Form des Phis­hing statt. Tech­no­lo­gisch aus­ge­feilte Hacker­an­griffe sind eben­falls ein Risiko. Am bes­ten holen sich Unter­neh­men auch hier recht­zei­tig Rat bei einem dar­auf spe­zia­li­sier­ten Exper­ten. Erste Infor­ma­tio­nen gibt es etwa bei der Initia­tive Deutsch­land sicher im Netz e. V. (DsiN), die sich für mehr IT-Sicher­heit ein­setzt. Ob ein Aus­lands­konto sinn­voll ist, hängt zudem von den Vor­lie­ben der Kun­den beim Zah­lungs­ver­kehr ab. Vie­ler­orts wird PayPal genutzt. Fast alle Online­Händ­ler bie­ten inzwi­schen die Zah­lungs­ab­wick­lung über die­sen Dienst­leis­ter an, denn hier­für benö­tigt der Emp­fän­ger nur sein Konto im Hei­mat­land. Auch für hie­sige Ver­hält­nisse unge­wöhn­li­che Zahl­ver­fah­ren sind mög­lich. So nutzt fast jeder fünfte Japa­ner beim Online-Shop­ping das soge­nannte Kon­bini, die Kurz­form der japa­ni­schen Über­set­zung von „Con­ve­ni­ence-Stores“. Der Kunde bestellt im Inter­net, druckt den Beleg aus und geht zu einem Geschäft in der Nähe. Dort scannt der Kas­sie­rer den Beleg, der Kunde zahlt bar. Es han­delt sich also um eine Art Vor­kasse.

Lokale Vor­lie­ben beach­ten. Ähn­li­che Sys­teme gibt es auch anderswo, weiß Linda Uhl, Head of Alter­na­tive Pay­ments der Wire­card AG in Asch­heim bei Mün­chen: „Auf der Ara­bi­schen Halb­in­sel oder in Süd­ame­rika wird Bar­geld bevor­zugt.“ Daher seien dort ver­gleich­bare Vor­kasse- und Gut­schein­zahl­ver­fah­ren eta­bliert. In Latein­ame­rika und Asien seien auch Debit­kar­ten beliebt: „Aller­dings gibt es allein in China über 40 natio­nale Ban­ken, die ein Online-Händ­ler zumin­dest teil­weise ein­bin­den müsste, wenn er mit die­ser Zah­lungs­weise plant.“ Als Aus­weg emp­fiehlt Linda Uhl soge­nannte Wal­let-Lösun­gen (Wal­let = Geld­börse), eine Art Pre­paid­karte für den Ein­kauf. So unter­stütze bei­spiels­weise Ali­pay in China alle natio­na­len Debit­kar­ten, aber auch inter­na­tio­nale Kre­dit­kar­ten. Ange­sichts des auf­wen­di­gen Kon­to­er­öff­nungs­ver­fah­rens und der Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len in China las­sen sich die dabei anfal­len­den Gebüh­ren leicht ver­schmer­zen.

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Deut­sches Konto: IBAN und BIC erset­zen künf­tig Kon­to­num­mer und Bank­leit­zahl. Im euro­päi­schen Zah­lungs­ver­kehrs­raum SEPA (Sin­gle Euro Pay­ments Area) lau­fen Zah­lun­gen bei Euro-Beträ­gen wie bis­her im Inland. Das SEPA-Last­schrift­man­dat macht grenz­über­schrei­tende Last­schrif­ten ein­fach. Alter­na­tive zur Last­schrift sind Real-Time-Bank-Trans­fers. Dazu zäh­len das deut­sche Giro­pay, das nie­der­län­di­sche iDEAL, das pol­ni­sche Przelewy24. Der Kunde auto­ri­siert Zah­lun­gen in sei­nem Online-Ban­king-Bereich, der Händ­ler erhält eine Zah­lungs­be­stä­ti­gung der Bank. Daher ist das Ver­fah­ren für Händ­ler inter­es­san­ter als SEPA-Last­schrif­ten. Die Ver­fah­ren gel­ten als nut­zer­freund­lich und sicher.

Aus­lands­konto: Für Geschäfts­part­ner außer­halb des SEPA-Raums ent­fal­len damit zusätz­li­che Kos­ten vor Ort. Es funk­tio­niert wie ein deut­sches Konto und lässt sich meis­tens via Online-Ban­king ver­wal­ten. Über­wei­sun­gen nach Deutsch­land und umge­kehrt klap­pen pro­blem­los durch die im inter­na­tio­na­len Zah­lungs­ver­kehr übli­chen IBAN- und BIC-Codes. Bar­geld­lo­ses Zah­len mit einer Bank­karte ist oft nur im jewei­li­gen Land und bei Authen­ti­fi­zie­rung des Anwen­ders mög­lich.

PayPal: Als rela­tiv siche­rer Online-Zah­lungs­ser­vice gilt der US-Anbie­ter PayPal. Nach Aus­wahl die­ses Zah­lungs­wegs im Online-Shop eines Unter­neh­mens loggt sich der Kunde bei PayPal ein und wählt eine Zah­lungs­me­thode, hier­zu­lande etwa Last­schrift oder Kre­dit­karte. Ent­spre­chend über­trägt er den Betrag an PayPal. PayPal schreibt dem Händ­ler die Summe gleich nach Abschluss der Trans­ak­tion gut.


Quelle: TRIA­LOG, Das Unter­neh­mer­ma­ga­zin Ihrer Bera­ter und der DATEV, Her­aus­ge­ber: DATEV eG, Nürn­berg, Aus­gabe 01/2013

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