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Was ist mein Unter­neh­men wert?

Diese Frage stel­len sich Unter­neh­mens­in­ha­ber und Gesell­schaf­ter regel­mä­ßig. Die Gründe dafür sind viel­fäl­tig. Zu den wich­tigs­ten Anläs­sen, zu denen in der Pra­xis Unter­neh­mens­be­wer­tun­gen durch­ge­führt wer­den, zäh­len unter ande­rem Unter­neh­mens­nach­fol­gen, Auf­nahme oder Aus­schei­den von Gesell­schaf­tern, Über­nah­men und Fusio­nen (M&A), Erb­schaft, Schei­dung oder bei­spiels­weise eine wert­ori­en­tierte Unter­neh­mens­füh­rung. Viele Unter­neh­mer, die sich nicht regel­mä­ßig mit Fra­gen der Unter­neh­mens­be­wer­tung beschäf­ti­gen, lau­fen Gefahr, dass sie auf­grund ver­schie­de­ner Fehl­ein­schät­zun­gen im Rah­men des Bewer­tungs­pro­zes­ses ent­täuscht wer­den. Sie soll­ten recht­zei­tig auf qua­li­fi­zierte Bera­tung zurück­grei­fen.

Autor: Dr. Andreas Fischer


Mög­li­che Fehl­ein­schät­zun­gen.So ste­hen allein in Deutsch­land über 20.000 Unter­neh­mens­nach­fol­gen pro Jahr an. Nach einer aktu­el­len Stu­die des Insti­tuts für Mit­tel­stands­for­schung pla­nen mehr als drei Vier­tel (alters­be­dingt) eine Über­gabe des Unter­neh­mens an Fami­li­en­mit­glie­der, Unter­neh­mens­an­ge­hö­rige oder externe Inves­to­ren (IfM, 2012, S. 3). Sofern hier­bei das ganze Unter­neh­men oder Unter­neh­mens­an­teile ver­äu­ßert wer­den, zeigt sich, dass häu­fig sowohl der Unter­neh­mens­wert als auch der zeit­li­che Pro­zess der Über­gabe unzu­rei­chend ein­ge­schätzt wer­den. Zudem las­sen sich die Ein­satz­mög­lich­kei­ten und die Aus­sa­ge­kraft der ver­schie­de­nen Metho­den, die sich zur Berech­nung einer „fai­ren Bewer­tung“ in der Ver­gan­gen­heit her­aus­ge­bil­det haben, oft­mals nicht rich­tig beur­tei­len.

Ins­be­son­dere von klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Fami­li­en­un­ter­neh­men (KMU) wird der objek­tive Unter­neh­mens­wert des eige­nen Unter­neh­mens viel­fach deut­lich über­schätzt.

Dies belegt u. a. eine Stu­die der Uni­ver­si­tät St. Gal­len. Im Rah­men die­ser Stu­die wur­den 381 Fami­li­en­un­ter­neh­men mit­tels geeig­ne­ter Ver­fah­ren bewer­tet und das Ergeb­nis mit den indi­vi­du­el­len Wert­vor­stel­lun­gen der Inha­ber abge­gli­chen. Durch­schnitt­lich über­schätz­ten die Unter­neh­men den Wert des eige­nen Unter­neh­mens um ca. 100 Pro­zent (Uni StG, 2006, S. 54). Die­ses Phä­no­men ist grund­sätz­lich auch bei deut­schen Unter­neh­men zu beob­ach­ten, wobei gerade in den letz­ten Jah­ren die Ten­denz der Über­schät­zung eher rück­läu­fig ist. Nichts­des­to­trotz schei­tern immer noch viele Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen an den über­zo­ge­nen Kauf­preis­vor­stel­lun­gen des Über­ge­ben­den. Des Wei­te­ren wird im Zuge der Unter­neh­mens­nach­folge die Dauer der Über­gabe sys­te­ma­tisch unter­schätzt. Von einer ers­ten indi­ka­ti­ven Unter­neh­mens­be­wer­tung bis hin zum tat­säch­li­chen Aus­schei­den des Alt­ei­gen­tü­mers ver­ge­hen im Durch­schnitt vier bis sechs Jahre, wie die neben­ste­hende Abbil­dung zeigt (Kayser/Freund, 2004, S. 59). Teil­weise zieht sich der Pro­zess über mehr als 10 Jahre hin­weg.

Das heißt, es ist durch­aus sinn­voll, am Anfang des Pro­zes­ses sei­nen Unter­neh­mens­wert zu ken­nen, da die­ser sowohl die Suche nach poten­zi­el­len Nach­fol­gern erleich­tert als auch Mög­lich­kei­ten eröff­net, nach­hal­tige Maß­nah­men ein­zu­lei­ten, um den Unter­neh­mens­wert lang­fris­tig zu beein­flus­sen. Genauso viel­fäl­tig wie die Anlässe für eine Bewer­tung sind die Metho­den und Stan­dards zur Ermitt­lung von Unter­neh­mens­wer­ten. Hier wird der Unter­neh­mer mit Metho­den wie Trans­ak­ti­ons­mul­ti­pli­ka­to­ren, Ertrags­wert­ver­fah­ren und Dis­coun­ted Cash Flow sowie Stan­dards, wie den IACVA Pro­fes­sio­nal Stan­dards oder IDW S1, kon­fron­tiert. Zudem sind häu­fig steu­er­li­che und recht­li­che Beson­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen (vgl. Peem­öl­ler, 2012). Für Unter­neh­mer, die sich nicht regel­mä­ßig und inten­siv mit der Mate­rie aus­ein­an­der­set­zen, ist eine qua­li­fi­zierte Beur­tei­lung der Metho­den und Stan­dards fak­tisch nicht mög­lich.

Rolle des Bera­ters.Was bleibt, ist der Gang zu Spe­zia­lis­ten. Ers­ter Ansprech­part­ner ist regel­mä­ßig der steu­er­li­che Bera­ter, da zu ihm meist eine lang­jäh­rige Ver­trau­ens­be­zie­hung besteht (IfM, 2012, S. 12). Er ist über die betriebs­wirt­schaft­li­chen und steu­er­li­chen Daten und Beson­der­hei­ten des Unter­neh­mens bes­tens infor­miert. Da jedoch für die Bewer­tung eines Unter­neh­mens einer­seits sehr spe­zi­el­les „Bewer­tungs-Know-how“ und ande­rer­seits der Zugriff auf eine Viel­zahl von Refe­renz­da­ten nötig ist, bedient sich der Steu­er­be­ra­ter nicht sel­ten der Hilfe spe­zia­li­sier­ter Bewer­tungs­un­ter­neh­men. Da die HSP Gruppe ihrer Man­dant­schaft stets pass­ge­naue Lösun­gen auf einem hohen qua­li­ta­ti­ven Niveau bereit­stellt, wurde eine stra­te­gi­sche Part­ner­schaft mit der Fischer I Buss­mann I Kon­rad GmbH (FBK), ein auf Unter­neh­mens­be­wer­tung spe­zia­li­sier­tes Unter­neh­men, ein­ge­gan­gen. Gemein­sam wurde ein umfas­sen­des Port­fo­lio an Bewer­tungs­dienst­leis­tun­gen geschaf­fen, wel­ches die Anfor­de­run­gen aller Bewer­tungs­an­lässe voll­stän­dig abdeckt.

Metho­den der Wert­ermitt­lung. Wel­ches Bewer­tungs­ver­fah­ren sinn­vol­ler­weise zur Anwen­dung kommt, ist in der Regel abhän­gig vom Bewer­tungs­an­lass. Ist bei­spiels­weise im Rah­men einer Schei­dung mit einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zu rech­nen, sollte ein umfas­sen­des Unter­neh­mens­wert­gut­ach­ten gem. IDW S1 erstellt wer­den, da sich erfah­rungs­ge­mäß die Gerichts­bar­keit an die­sem Stan­dard ori­en­tiert. Geht es hin­ge­gen nur darum, einen indi­ka­ti­ven Wert zu ermit­teln, wel­cher die Basis für Kauf­preis­ver­hand­lun­gen sein kann, könnte die Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung das Mit­tel der Wahl sein.

Im Gegen­satz zu ein­fa­chen Mul­ti­pli­ka­to­ren berück­sich­tigt die Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung die indi­vi­du­el­len Erfolgs­chan­cen und Beson­der­hei­ten eines Unter­neh­mens bei der Unter­neh­mens­be­wer­tung. Gleich­zei­tig ist die Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung nicht so kom­plex – und damit auch nicht so teuer – wie ein Unter­neh­mens­wert­gut­ach­ten, da unter ande­rem im Rah­men der Ein­schät­zung expli­zit keine voll­stän­dig inte­grierte Pla­nungs­rech­nung erstellt wird.

Die Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung ermög­licht die zeit­nahe Ermitt­lung des Unter­neh­mens­werts und ist für das Unter­neh­men mit rela­tiv gerin­gem Auf­wand ver­bun­den.

Auf Basis der letz­ten drei Jah­res­ab­schlüsse sowie eini­ger ergän­zen­der Infor­ma­tio­nen wird der Unter­neh­mens­wert abge­lei­tet. Dabei wird das Risiko des Unter­neh­mens durch ein ent­spre­chen­des Rating berück­sich­tigt. Der Wert des Unter­neh­mens wird schließ­lich mit­hilfe umfang­rei­cher Refe­renz­da­ten plau­si­bi­li­siert und durch eine umfas­sende Jah­res­ab­schluss­ana­lyse ergänzt. Einen Mit­tel­weg zwi­schen der rela­tiv kos­ten­güns­ti­gen Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung und dem deut­lich auf­wen­di­ge­ren Unter­neh­mens­wert­gut­ach­ten ist die Wert­be­rech­nung, wel­che jedoch vor­aus­setzt, dass bereits eine voll­stän­dig inte­grierte Pla­nungs­rech­nung für das zu bewer­tende Unter­neh­men vor­liegt. Bei der Wert­be­rech­nung wer­den die indi­vi­du­el­len Chan­cen und Risi­ken des Bewer­tungs­ob­jekts auf­grund der Pla­nungs­rech­nung stär­ker als bei der Unter­neh­mens­wert­ein­schät­zung berück­sich­tigt. Eine Wert­be­rech­nung ist dann sinn­vol­ler­weise anzu­wen­den, wenn die künf­tige Unter­neh­mens­ent­wick­lung mit hoher Wahr­schein­lich­keit vom Trend der letz­ten Jahre deut­lich abweicht.

Fazit: Egal aus wel­chen Grün­den auch immer die Bewer­tung eines Unter­neh­mens erfor­der­lich sein mag: Um Fehl­ein­schät­zun­gen und Ent­täu­schun­gen zu ver­mei­den, soll­ten ins­be­son­dere KMU recht­zei­tig zu Beginn des Bewer­tungs­pro­zes­ses ihren Steu­er­be­ra­ter ein­bin­den, der mit der rele­van­ten betriebs­wirt­schaft­li­chen und steu­er­li­chen Daten­lage ver­traut ist und das Ver­trauen des Unter­neh­mens genießt. Je nach Bewer­tungs­an­lass kommt der Ein­satz unter­schied­li­cher Metho­den infrage. Nicht in jedem Fall muss auf ein umfang­rei­ches, teu­res Voll­gut­ach­ten zurück­ge­grif­fen wer­den. Um eine opti­male Lösung für ein Unter­neh­men zu fin­den, erweist sich die Koope­ra­tion des Steu­er­be­ra­ters mit einem Bewer­tungs­spe­zia­lis­ten als sinn­voll.

Lite­ra­tur­hin­weise:

Insti­tut für Mit­tel­stands­for­schung (2012), Unter­neh­mens­nach­folge in Deutsch­land – Aktu­elle Trends, IfM-Mate­ria­lien Nr. 216, Bonn, Juni 2012

Kay­ser, G.; Freund, W. (2004): Unter­neh­mens­nach­folge in der Han­se­stadt Ham­burg. Gut­ach­ten im Auf­trag der Han­dels­kam­mer Ham­burg, in: Han­dels­kam­mer Ham­burg (Hrsg.), Unter­neh­mens­nach­folge in Ham­burg, Bonn und Ham­burg.

Peem­öl­ler (2012), Pra­xis­hand­buch der Unter­neh­mens­be­wer­tung, 5. Aufl., Herne 2012

Uni St. Gal­len (2006), Was ist ein Fami­li­en­un­ter­neh­men wert?

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