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Devi­sen­märkte im Über­blick

Markt­kom­men­tar der qui­rin bank AG / 1. Quar­tal 2012

Eine seriöse Pro­gnose über künf­tige Wäh­rungs­ent­wick­lun­gen abzu­ge­ben, gilt seit jeher immer als ein sehr schwie­ri­ges Unter­fan­gen, da Wäh­rungs­kurs­ver­läufe neben einer gan­zen Reihe von kon­junk­tu­rel­len Ein­flüs­sen auch von Zins­ent­wick­lun­gen und poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen geprägt wer­den.

Ins­be­son­dere die poli­ti­sche Abhän­gig­keit hat ange­sichts der Aus­wei­tung der Staats­schul­den­kri­sen spür­bar zuge­nom­men und erschwert kon­krete Wäh­rungs­ein­schät­zun­gen.

Zudem hat man es grund­sätz­lich mit einer Devi­sen­re­la­tion zu tun, was eine Beur­tei­lung von gleich zwei Wäh­run­gen in Abhän­gig­keit von­ein­an­der erfor­dert und rela­tiv kom­plex ist. Ange­sichts der anhal­ten­den Tur­bu­len­zen im Euro-Raum und der damit ein­her­ge­hen­den Ängste vor Staats­plei­ten und Infla­tion sind hei­mi­sche Inves­to­ren immer noch ver­stärkt auf der Suche nach Anla­ge­al­ter­na­ti­ven außer­halb der Euro-Zone. Ein Grund für uns – trotz aller Mark­tun­wäg­bar­kei­ten – aus­ge­wählte Fremd­wäh­run­gen noch ein­mal etwas genauer unter die Lupe zu neh­men. Grund­sätz­lich gilt: Direkte Wet­ten auf bestimmte Wäh­rungs­ent­wick­lun­gen mit Hilfe von Invest­ment­zer­ti­fi­ka­ten oder Hebel­zer­ti­fi­ka­ten sind im nur schwer kal­ku­lier­ba­ren Markt­um­feld aus unse­rer Sicht wei­ter­hin nicht emp­feh­lens­wert. Auch ETF- bzw. Fonds­in­vest­ments, die dar­auf abzie­len, von den Schwan­kun­gen an den Devi­sen­märk­ten zu pro­fi­tie­ren, haben in den letz­ten bei­den Jah­ren viel­fach ent­täuscht – auch hier sehen wir aktu­ell keine zwin­gen­den Invest­ment­gründe. Was es bei Aktien-, Anleihe- oder Roh­stoff­in­vest­ments in frem­den Wäh­rungs­räu­men zu beach­ten gilt, möch­ten wir in der Folge aus­füh­ren. Bitte beach­ten Sie, dass wir uns bei den jewei­li­gen 5-Jah­res-Charts für eine Dar­stel­lung aus Sicht der jewei­li­gen Fremd­wäh­rung (z. B. 1 US-Dol­lar ent­spricht 0,754 Euro) ent­schie­den haben. So wird im Chart­bild deut­li­cher, ob die jewei­lige Fremd­wäh­rung gegen­über dem Euro gestie­gen oder gefal­len ist. Bei der her­kömm­li­chen Chart­be­trach­tung aus Euro-Sicht (z. B. 1 Euro ent­spricht 1,32 US-Dol­lar) muss man als Betrach­ter im Prin­zip umge­kehrt den­ken (fal­len­der Euro ent­spricht stei­gen­der Fremd­wäh­rung), was wir an die­ser Stelle ver­mei­den möch­ten.

US-Dol­lar (USD): Grund­sätz­lich haben wir es sowohl beim Euro als auch beim US-Dol­lar mit einer schul­den­kri­sen­ge­plag­ten Wäh­rung zu tun. Wer ist hier nun der Ein­äu­gige unter den Blin­den? – Diese Frage könnte man vor die­sem Hin­ter­grund zu Recht stel­len. Die fun­da­men­ta­len Aspekte spre­chen aus unse­rer Sicht dafür, dass die grund­sätz­li­che Euro­schwä­che der letz­ten Monate vor­erst noch anhal­ten könnte. Solange sich die euro­päi­sche Poli­tik nicht an die grund­le­gen­den Pro­bleme in der Euro- Zone her­an­wagt (Ungleich­ge­wichte in den Han­dels­bi­lan­zen – Export­über­schüsse ver­sus Import­über­schüsse – erhöhte Rezes­si­ons­ge­fah­ren durch immer stär­kere Spar­zwänge) und wei­ter mit halb­her­zi­gen Über­gangs­lö­sun­gen durch die Krise laviert (was wir auch zukünf­tig erwar­ten), dürfte der Euro kei­nen nach­hal­ti­gen Auf­wärts­trend gegen­über dem US-Dol­lar aus­bil­den kön­nen (der Erho­lung seit Jah­res­be­ginn zum Trotz). Zudem schließt sich seit eini­gen Mona­ten die Zins­schere zwi­schen den bei­den Wäh­rungs­räu­men, seit­dem sich auch die EZB auf dem Zins­sen­kungs­pfad in Rich­tung null befin­det. Kurz­fris­tige Anla­gen im Euro-Raum wer­den für die inter­na­tio­na­len Finanz­markt­ak­teure somit zuneh­mend unat­trak­ti­ver. Ein wei­te­rer Aspekt pro US-Dol­lar: Bei der kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lung haben die Ame­ri­ka­ner der­zeit die Nase gegen­über der Euro- Zone vorn, Letz­tere weist bereits leicht rezes­sive Ten­den­zen auf. Bis­wei­len ver­ste­cken sich die Ame­ri­ka­ner gern hin­ter den anhal­ten­den und der­zeit auch in den Medien im Vor­der­grund ste­hen­den Que­re­len im Euro-Raum – dabei trägt der US-Staats­haus­halt nicht min­der große Schul­den­las­ten vor sich her (z. B. in die­sem Jahr schät­zungs­weise rund 10 % Haus­halts­de­fi­zit im Gegen­satz zu rund 6 % in der Euro-Zone). Im Laufe des Jah­res dürfte aber auch die US-ame­ri­ka­ni­sche Schul­den­si­tua­tion wie­der stär­ker ins Ram­pen­licht rücken. Ob der Weg zum not­wen­di­gen Schul­den­ab­bau eher mit­hilfe von Steu­er­an­pas­sun­gen oder durch staat­li­che Aus­ga­ben­kür­zun­gen beschrit­ten wird, könnte zu einem der zen­tra­len Streit­punkte im Vor­feld der US-Wahl im Novem­ber mutie­ren. Dabei dürfte deut­lich wer­den, dass auch die Ame­ri­ka­ner zu emp­find­li­chen Struk­tur­an­pas­sun­gen gezwun­gen sind, was zu kon­junk­tu­rel­len Belas­tun­gen führt.

An die­ser Stelle könnte auch der US-Dol­lar wie­der stär­ker unter Druck gera­ten. Ergo wird der US-Dol­lar aus eige­ner Kraft kaum sub­stan­zi­ell ggü. dem Euro auf­wer­ten kön­nen. Aus dem schwie­ri­gen Markt­um­feld für den Euro eine US-Dol­lar-Spe­ku­la­tion abzu­lei­ten, ist also alles andere als ein siche­res Geschäft. Wir gehen davon aus, dass die schwer kal­ku­lier­ba­ren Schwan­kun­gen im Euro-US-Dol­lar- Ver­hält­nis auch in den nächs­ten Mona­ten anhal­ten. Kurz­fris­tig lie­gen die Vor­teile zwar beim US-Dol­lar, den­noch raten wir dazu, bei Akti­en­en­ga­ge­ments im US-Raum ein wach­sa­mes Auge auf die Wäh­rungs­ent­wick­lung zu legen. Bei ETF- oder Fonds­an­la­gen kön­nen ggf. auch wäh­rungs­ge­si­cherte Vari­an­ten in Betracht gezo­gen wer­den. Glei­ches gilt für Roh­stoff­an­la­gen, die in aller Regel in US-Dol­lar notie­ren. Anlei­hein­vest­ments in US-Dol­lar hal­ten wir im aktu­el­len Nied­rig­zins­um­feld für unat­trak­tiv. Rein chart­tech­nisch gese­hen dürf­ten beim US-Dol­lar dann Anschluss­ge­winne mög­lich sein, wenn die Marke von 0,80 € (ent­spricht einem Euro-US-Dol­lar-Ver­hält­nis von 1,25 US-Dol­lar) nach oben durch­bro­chen wer­den kann. Fällt der US-Dol­lar hin­ge­gen unter die Marke von 0,72 € (ent­spricht einem Euro-USDol­lar- Ver­hält­nis von 1,389 US-Dol­lar), droht der US-Wäh­rung wei­te­res tech­ni­sches Abwärts­po­ten­zial.

Bri­ti­sches Pfund (GBP): Groß­bri­tan­nien zählt zwar nicht zur Euro-Zone, die Pro­bleme der bri­ti­schen Wirt­schaft lesen sich aber ähn­lich wie die der Euro-Peri­phe­rie­zone: Eine Staats­schul­den­quote von über 80 % drängt auch die Bri­ten zu strik­ten Spar­pro­gram­men. Erschwe­rend kommt hinzu, dass man erheb­li­che Sum­men zur Stüt­zung des zum Teil maro­den Ban­ken­sek­tors auf­brin­gen musste. Die Kon­junk­tur steu­ert dar­über hin­aus der­zeit auf eine Rezes­sion zu. Trotz einer ver­gleichs­weise hohen Infla­ti­ons­rate von rund 3,5 % hält die bri­ti­sche Noten­bank ihre Nied­rig­zins­po­li­tik auf­recht. Alles in allem ein Umfeld, in dem sich Pfund-Invest­ments aus unse­rer Sicht nicht auf­drän­gen, es sei denn, im Akti­en­be­reich bie­ten sich Chan­cen, die es wert sind, das Wäh­rungs­ri­siko ein­zu­ge­hen. Auch wenn das Pfund in Zei­ten stär­ke­rer Euro-Tur­bu­len­zen tem­po­rär als siche­re­rer Hafen ange­steu­ert wird, dürfte ein nach­hal­ti­ger Auf­wärts­trend gegen­über dem Euro nur schwer zu eta­blie­ren sein, zumal nun mit Moody‘s die erste Rating­agen­tur die AAA-Best­note Groß­bri­tan­ni­ens infrage stellt.

Ange­sichts der engen Ver­flech­tun­gen des Lan­des mit der Euro-Zone über den Außen­han­del und durch den Finanz­sek­tor kann sich das Pfund ohne­hin nicht von der Ent­wick­lung im Euro-Raum frei­ma­chen. Die Chart­tech­nik zeigt eine rela­tiv mas­sive Wider­stands­zone im Bereich von 1,20/1,23 €, die nicht ohne Wei­te­res über­flü­gelt wer­den dürfte. Ein Rück­gang unter die Marke von 1,17 € wäre dage­gen als tech­ni­sches Ver­kaufs­si­gnal zu wer­ten.

Japa­ni­scher Yen (JPY): Dass ein Wäh­rungs­raum, der mit einem Rekord­schul­den­stand kämpft (rund 220 % in Rela­tion zum BIP) und rezes­sive Ten­den­zen vor­weist, von Inves­to­ren als siche­rer Hafen ange­se­hen wird, wirkt auf den ers­ten Blick para­dox. Der Yen wurde aber in den letz­ten Jah­ren von Japans Wett­be­werbs­fä­hig­keit begüns­tigt. Unter den sie­ben gro­ßen Indus­trie­staa­ten (G7) ist Japan neben Deutsch­land seit Jah­ren das ein­zige Land mit einem Leis­tungs­bi­lanz­über­schuss.

Zudem pro­fi­tiert der Yen davon, dass Japan bei der Refi­nan­zie­rung sei­ner hohen Staats­schul­den ver­gleichs­weise wenig von der Gunst der Aus­lands­in­ves­to­ren abhängt – Japan refi­nan­ziert sich sehr stark im Inland und kann auf die hei­mi­schen Gläu­bi­ger zäh­len. Der Anlei­he­markt erscheint somit deut­lich weni­ger ver­letz­lich als bei­spiels­weise der Euro-Bond­markt. Im lau­fen­den Jahr grif­fen risi­ko­be­reite Inves­to­ren zudem bei sog. Carry- Tra­des (Ver­schul­dung in Län­dern mit Nied­rig­zin­sen und Inves­ti­tion in Hoch­zins­län­dern, wie z. B. Aus­tra­lien) ver­stärkt auf Wäh­run­gen wie den Euro oder den US-Dol­lar zurück – eine Ent­las­tung für den Yen. Auch die Tat­sa­che, dass sich sowohl in der Euro-Zone als auch in den USA die Leit­zin­sen der Null­li­nie ange­nä­hert haben, begüns­tigte den Yen. Natio­nen mit hohen Devi­sen­re­ser­ven lan­de­ten bei der Suche nach einer hoch­li­qui­den Wäh­rungs­al­ter­na­tive nicht sel­ten beim Yen. Die japa­ni­sche Wirt­schaft lei­det aller­dings unter dem hohen Yen (Stich­wort: ver­teu­erte Exporte), sodass sich die japa­ni­sche Noten­bank immer wie­der genö­tigt sieht, zulas­ten des Yen an den Devi­sen­märk­ten zu inter­ve­nie­ren. Auch wenn dies bis dato noch keine nach­hal­tige Abhilfe geschaf­fen hat (siehe Chart ggü. Euro), so stel­len der­ar­tige Inter­ven­tio­nen (bis hin zu einer mög­li­chen Wäh­rungs­fi­xie­rung à la Schwei­zer Noten­bank) den­noch eine latente Gefahr für die Stärke einer Wäh­rung dar. Jüngst ver­stärkte die Bank of Japan (BoJ) ihre Inter­ven­ti­ons­ge­bär­den wie­der. Dies, gepaart mit einer anhal­tend expan­si­ven Geld­po­li­tik (jüngst erneut mas­sive Anlei­he­auf­käufe der BoJ und die Beto­nung, die Leit­zin­sen auf der Null­li­nie zu hal­ten), dürfte auch die jüngs­ten Gewinn­mit­nah­men beim Yen aus­ge­löst haben. Unterm Strich erach­ten wir den japa­ni­schen Wäh­rungs­raum der­zeit für Invest­ments als unin­ter­es­sant. Chart­tech­nisch gese­hen könnte sich die Abwärts­be­we­gung des Yen beschleu­ni­gen, wenn die Unter­stüt­zung bei rund 0,0093 Yen (ent­spricht einem Euro-Yen-Ver­hält­nis von 107,50 Yen) nicht zügig zurück­er­obert wer­den kann.

Schwei­zer Fran­ken (CHF): Der Fran­ken hat sei­nen Nim­bus als klas­si­sche Flucht­wäh­rung vor­erst ver­lo­ren, nach­dem die Schwei­ze­ri­sche Natio­nal­bank (SNB) Anfang Sep­tem­ber 2011 die Wäh­rung an den Euro-Kurs gebun­den hat. Die Noten­bank will den Min­dest­kurs von 0,83 € (bzw. 1,20 CHF) mit aller Kon­se­quenz durch­set­zen und ist not­falls bereit, unbe­schränkt Devi­sen zu kau­fen (und dafür ggf. Schul­auch Schwei­zer Fran­ken zu dru­cken).

Die mas­sive Auf­wer­tung des Fran­kens hat für die Schwei­zer Wirt­schaft ein­schnei­dende Nega­tiv­fol­gen, weil viele eid­ge­nös­si­sche Unter­neh­men auf dem Welt­markt nicht mehr kon­kur­renz­fä­hig sind (ver­teu­erte Exporte) und der für das Land wich­tige Tou­ris­mus erheb­lich lei­det. Zudem schli­chen sich zuletzt vor dem Hin­ter­grund der stark fal­len­den Import­preise immer stär­ker defla­tio­näre Ten­den­zen in die Alpen­re­pu­blik ein, was den rezes­si­ven Druck in der Schweiz ver­stärkt. Im Januar sind die Ver­brau­cher­preise um 0,8 % ggü. dem Vor­jahr gefal­len. Wir gehen davon aus, dass sich die SNB wei­ter mit aller Macht gegen eine erneute Fran­ken­auf­wer­tung stem­men wird. Infla­tio­näre Ten­den­zen hat sie akut nicht zu befürch­ten (eher das Gegen­teil). Vor die­sem Hin­ter­grund zäh­len Schwei­zer- Fran­ken-Anlei­hen aktu­ell nicht zu unse­ren Favo­ri­ten, zumal die Ren­di­ten boni­täts­star­ker Schuld­ner­adres­sen um die Null­li­nie oszil­lie­ren und die Auf­wer­tungs­fan­ta­sie des Fran­kens (vor­erst) dahin ist. Bei inter­es­san­ten Schwei­zer Aktien ist der Wäh­rungs­aspekt der­zeit zweit­ran­gig, sofern die Invest­ment­story aus­rei­chend Auf­wärts­po­ten­zial birgt. Das Chart­bild besitzt ange­sichts der aktu­el­len Kurs­fi­xie­rung nur eine bedingte Aus­sa­ge­kraft. Den­noch der Hin­weis: Fällt der Schwei­zer Fran­ken unter die Inter­ven­ti­ons­marke von 0,83 €, käme dies einem tech­ni­schen Ver­kaufs­si­gnal gleich. Ggf. wür­den sich in die­sem Fall ein paar zitt­rige Hände (die dar­auf gesetzt haben, dass die SNB nicht stand­haft bleibt) aus dem Fran­ken­markt ver­ab­schie­den, um Ver­luste zu begren­zen, was wie­derum die Abwärts­be­we­gung des Fran­kens ver­stär­ken würde.

Nor­di­sche Wäh­run­gen: Nor­we­ger-Krone (NOK)/Schweden-Krone (SEK): Wenn es darum geht, einem Port­fo­lio eine aus­sichts­rei­che Wäh­rungs­kom­po­nente bei­zu­mi­schen, favo­ri­sie­ren wir bekann­ter­ma­ßen seit eini­gen Mona­ten die nor­di­schen Wäh­run­gen. Auf der Anlei­he­seite haben wir dabei Unter­neh­mens­an­lei­hen soli­der Schuld­ner­adres­sen im Fokus und auf der Akti­en­seite soll­ten breit gestreute Skan­di­na­vien-ETFs bzw. -Fonds bevor­zugt wer­den. Die Ver­si­che­rungs­prä­mien gegen einen Kre­dit­aus­fall (sog. CDS-Prä­mien) signa­li­sie­ren, dass die Anle­ger die Wahr­schein­lich­keit der Zah­lungs­aus­fälle Nor­we­gens und Schwe­dens der­zeit gerin­ger ein­schät­zen als die von Deutsch­land oder Frank­reich. An den bei­den Schwer­ge­wich­ten Euro­lands haf­ten hier­bei offen­sicht­lich die Even­tu­al­ver­bind­lich­kei­ten aus den Euro-Ret­tungs­schir­men. Dage­gen plat­ziert sich Nor­we­gen als Nicht-EU-Land mit einer CDS- Prä­mie von 34 Basis­punk­ten (0,34 %) als sichers­ter Emit­tent der Welt (0,86 % für Deutsch­land-CDS). Der aus Ölex­por­ten gespeiste Reich­tum Nor­we­gens schot­tet das Land rela­tiv gut gegen die Fol­gen der Euro-Staats­schul­den­krise ab.

So sum­miert sich der Haus­halts­über­schuss (wohl­ge­merkt Über­schuss) in 2011 auf statt­li­che 9,3 %. Dazu kommt der rela­tiv über­schau­bare Schul­den­stand von rund 41 % im Ver­hält­nis zum BIP. Die Arbeits­lo­sen­quote bewegt sich ledig­lich bei rund 3,5 %. Die spru­deln­den Ein­nah­men aus dem Ölge­schäft (Nor­we­gen ist die siebt­größte Ölex­por­teur der Welt) hel­fen nicht nur beim Schul­auch den­ab­bau, son­dern spei­sen auch den seit 1990 bestehen­den nor­we­gi­schen Staats­fonds. Die­ser zählt mit rund 570 Mrd. US-Dol­lar (Ende 2011) zu den größ­ten der Welt. Damit besitzt die nor­we­gi­sche Regie­rung einen enor­men fis­kal­po­li­ti­schen Spiel­raum, um z. B. bei sin­ken­den Ölprei­sen rück­läu­fige Erträge aus dem Ölge­schäft zu kom­pen­sie­ren oder die hei­mi­sche Wirt­schaft in kon­junk­tu­rel­len Abschwung­pha­sen zu stüt­zen. Im lau­fen­den Jahr sollte die nor­we­gi­sche Wirt­schaft wei­ter wach­sen (nach 1,6 % in 2011). Die Exper­ten­schät­zun­gen sind hier aller­dings recht breit gefä­chert und bewe­gen sich zwi­schen 1 und 3 %. In Anbe­tracht der anhal­ten­den Euro-Krise (Stich­wort: nor­we­gi­scher Export in die Euro-Zone) und um die poli­tisch nicht gerade erwünschte Auf­wer­tung der Nor­we­ger-Krone zu brem­sen, ent­schied sich die Noten­bank Ende letz­ten Jah­res für eine recht üppige Leit­zins­sen­kung um 0,5 auf 1,75 %. Den­noch behält die Krone gegen­über dem Euro einen Zins­vor­teil. Ein gewis­ses Risi­ko­po­ten­zial birgt die Ent­wick­lung des nor­we­gi­schen Immo­bi­li­en­mark­tes. Der IWF machte hier zuletzt Über­hit­zungs­ge­fah­ren aus. Dazu kommt eine ver­gleichs­weise hohe Pri­vat­ver­schul­dung (die in die­sem Jahr auf das Dop­pelte der ver­füg­ba­ren Ein­kom­men klet­tern könnte). Unterm Strich zäh­len wir die Nor­we­ger- Krone aber län­ger­fris­tig wei­ter­hin zu den weni­gen inter­es­san­ten Wäh­run­gen. Nach der zuletzt recht zügi­gen Auf­wärts­be­we­gung, in deren Folge die Krone gegen den Euro ein Neun­jah­res­hoch erreichte, hat sich aber die Wahr­schein­lich­keit von kurz­fris­ti­gen Gewinn­mit­nah­men erhöht. Wer bereits zei­tig zu güns­ti­gen Kur­sen ein­ge­stie­gen ist, sollte abwä­gen, ob er nicht zwi­schen­zeit­lich ein­mal Kasse machen möchte. Unter chart­tech­ni­schen Aspek­ten hat die Nor­we­ger-Krone zwar mit der Über­win­dung des ein­ge­zeich­ne­ten hori­zon­ta­len Wider­stan­des ein neues Kauf­si­gnal gene­riert, ist aber ande­rer­seits rela­tiv stark über­kauft. Von die­ser Warte aus wäre ein Rück­set­zer sogar gesund. Die schwe­di­schen Nach­barn haben zwar kein Öl, aber eine ebenso leis­tungs­fä­hige Wirt­schaft. Auch die Schwe­den locken mit einem soli­den Staats­haus­halt, in dem es (leichte) Über­schüsse gibt. Der Schul­den­stand beträgt weni­ger als 40 % des BIPs. Am Anlei­he­markt wer­den die gesun­den Finan­zen belohnt, das Drei­fach-A-Rating des schwe­di­schen Staa­tes ist nicht in Gefahr. Struk­tu­relle Stär­ken der schwe­di­schen Volks­wirt­schaft sind zudem eine gute Aus­bil­dung der leis­tungs­be­rei­ten Bevöl­ke­rung und eine hohe Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft in Human­ka­pi­tal, For­schung und Ent­wick­lung sowie die mode­rate Besteue­rung von Unter­neh­men.

Wirt­schaft­lich müs­sen die Schwe­den aller­dings mit einer stär­ke­ren Abküh­lung als die Nor­we­ger kämp­fen (wobei sie aller­dings auch von einem deut­lich höhe­ren Wachs­tums­ni­veau kom­men). Denn: Schwe­den kann sich trotz aller Stär­ken der Euro-Krise nicht gänz­lich ent­zie­hen. Der Abschwung der Welt­kon­junk­tur trifft die in den letz­ten Jah­ren erfolgs­ver­wöhnte Wirt­schaft hart, zumal die Exporte etwa 45 % des BIPs aus­ma­chen. Glaubt man den Pro­gno­sen, dann wird sich das BIP-Wachs­tum 2012 von 4,1 % auf unter 1 % abschwä­chen – bleibt eine Eska­la­tion der Euro-Krise aus, sind hier aber durch­aus posi­tive Über­ra­schun­gen denk­bar. Die schwe­di­sche Noten­bank hat seit letz­ten Dezem­ber den Leit­zins in zwei Trip­pel­schrit­ten um jeweils 0,25 % auf 1,50 % gesenkt, auch weil ein zu gro­ßes Zins­ge­fälle und damit zu star­ker Auf­wer­tungs­druck auf die Krone auf jeden Fall ver­mie­den wer­den soll und weil man die Wirt­schaft sti­mu­lie­ren möchte. Auch wenn die Ren­di­te­dif­fe­renz zur Euro-Zone geschrumpft ist, hal­ten wir Schwe­den-Kro­nen-Anlei­hen wei­ter­hin für inter­es­sant. Solange die Euro-Poli­ti­ker in der Staats­schul­den­krise nur Über­gangs­lö­sun­gen schaf­fen, soll­ten Flucht­wäh­run­gen wie die Schwe­den-Krone wei­ter gesucht sein. Der Chart zeigt, dass auch die Schwe­den-Krone seit Ende letz­ten Jah­res einen ver­gleichs­weise zügi­gen Anstieg hin­ter sich hat und eine Kon­so­li­die­rungs­be­we­gung bevor­ste­hen dürfte. Die Aus­sa­gen zur Nor­we­ger-Krone gel­ten hier ana­log.

Aus­tral-Dol­lar (AUD): Der aus­tra­li­sche Dol­lar ist die welt­weit am fünft­meis­ten gehan­delte Wäh­rung und dient vie­len Inves­to­ren als Anla­ge­ve­hi­kel, um auf die Wirt­schafts­ent­wick­lung Chi­nas zu wet­ten. Der Grund dafür ist die große Bedeu­tung des Roh­stoff­sek­tors für die Volks­wirt­schaft des fünf­ten Kon­ti­nents und die räum­li­che Nähe zur pro­spe­rie­ren­den Region Süd­ost­asien. Das Kal­kül ist, dass Aus­tra­lien umso mehr Kup­fer, Kohle oder Eisen­erz expor­tiert, je stär­ker China wächst. Der Roh­stoff­boom des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts hat den aus­tra­li­schen Dol­lar zu einer begehr­ten Wäh­rung gemacht.

Er gilt daher neben dem kana­di­schen Dol­lar als die Roh­stoff­wäh­rung. Schwä­chelt jedoch die glo­bale (bzw. ins­be­son­dere die chi­ne­si­sche) Kon­junk­tur (wovon wir nach wie vor aus­ge­hen), bremst das auto­ma­tisch das Wachs­tum in dem roh­stoff­rei­chen Land. Daher war von vie­len Markt­be­ob­ach­tern erwar­tet wor­den, dass die aus­tra­li­sche Noten­bank ange­sichts der Risi­ken für das welt­weite Wirt­schafts­wachs­tum und eines mode­ra­ten Infla­ti­ons­aus­blicks ihren Leit­zins erneut sen­ken wird. Sie beließ ihn aller­dings über­ra­schend bei 4,25 %, was der Wäh­rung jüngst noch­mals spür­ba­ren Auf­trieb ver­lieh. Der Aus­tral-Dol­lar steht schließ­lich im Mit­tel­punkt der bereits in der Yen-Bespre­chung erwähn­ten Carry-Tra­des. Diese hoch­ris­kan­ten Geschäfte wer­den jedoch wie­der auf­ge­löst, sobald die Risi­ko­be­reit­schaft an den Finanz­märk­ten sinkt. In Aus­tra­lien selbst wird die Stärke der ein­hei­mi­schen Wäh­rung durch­aus kri­tisch gese­hen. Denn je stär­ker die Lan­des­wäh­rung wird, desto mehr ver­liert die Wirt­schaft an Kon­kur­renz­fä­hig­keit, weil Exporte teu­rer wer­den. Wer Aus­tral-Dol­lar-Anlei­hen hält, sollte aus unse­rer Sicht an (wäh­rungs­sei­tige) Gewinn­mit­nah­men den­ken (vor allem bei höhe­ren Depot­ge­wich­tun­gen), zumal wir die glo­bale Kon­junk­tur­ent­wick­lung wei­ter­hin skep­tisch sehen. Die Leit­zins­sen­kung dürfte zudem nicht auf­ge­ho­ben, son­dern nur auf­ge­scho­ben sein. Auch die höhe­ren Roh­stoff­preise recht­fer­ti­gen unse­res Erach­tens die steile Auf­wer­tung nicht. Selbst wenn sich das glo­bale Kon­junk­tur­um­feld in 2012 wei­ter auf­hel­len sollte, soll­ten dem Aus­tral-Dol­lar-Höhen­flug Gren­zen gesetzt sein – der Aus­sie dürfte einen güns­ti­ge­ren Kon­junk­tur­ver­lauf zu einem guten Teil bereits ein­ge­preist haben. Der Aus­bruch über den Wider­stand bei rund 0,77 € hat dem Aus­tral-Dol­lar noch ein­mal Rücken­wind ver­lie­hen und auf ein All­zeit­hoch ggü. dem Euro beför­dert. Nach der seit Ende 2008 (mit kur­zen Unter­bre­chun­gen) anhal­ten­den inten­si­ven Ral­lye (Kurs­plus seit­dem knapp 70 %) ist auch unter tech­ni­schen Gesichts­punk­ten eine Kor­rek­tur­be­we­gung wahr­schein­li­cher gewor­den (und auch not­wen­dig, um eine Über­hit­zung zu ver­mei­den).

Kanada-Dol­lar (CAD): Die zweite große Roh­stoff­wäh­rung sieht sich ähn­li­chen Risi­ken wie der Aus­tral-Dol­lar aus­ge­setzt. Dass Kanada nach Saudi-Ara­bien die welt­weit größ­ten Erd­öl­re­ser­ven besitzt, könnte ein Vor­teil sein, sofern die geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen (Stich­wort Iran) anhal­ten und die Ölno­tie­run­gen dadurch wei­ter­hin gestützt wer­den. Kri­tisch sehen wir aller­dings die sehr enge Ver­knüp­fung Kana­das mit der US-Wirt­schaft, die auf abseh­bare Zeit kaum auf einen nach­hal­ti­gen Wachs­tums­pfad zurück­keh­ren dürfte.

Nach­fra­ge­rück­gänge der US-Ver­brau­cher nach Import­gü­tern tref­fen also Natio­nen wie Kanada über­pro­por­tio­nal. Invest­ments im Kanada-Dol­lar zäh­len – ana­log zum Aus­tral-Dol­lar – nach wie vor nicht zu unse­ren favo­ri­sier­ten Wäh­rungs­bei­mi­schun­gen. Der tech­ni­sche Aus­bruch aus der im Chart ein­ge­zeich­ne­ten Drei­ecks­for­ma­tion ist grund­sätz­lich posi­tiv für den Kanada-Dol­lar zu wer­ten. Wir gehen aller­dings davon aus, dass die Spit­zen der letz­ten Monate (Mitte 2010 und Anfang 2011) im Bereich von 0,78/0,80 € kurz­fris­tig nur über­wun­den wer­den kön­nen, wenn sich die Euro-Krise wie­der spür­bar ver­schlim­mert. Stär­kere Ver­luste dro­hen dann, wenn der Kanada- Dol­lar unter sei­nen kurz­fris­ti­gen Auf­wärts­trend rutscht, der im Bereich von 0,72 € ver­läuft.

Schwel­len­län­der­wäh­run­gen: Schwel­len­län­der­in­vest­ments in den betref­fen­den Lokal­wäh­run­gen sind für den risi­ko­be­rei­ten Anle­ger durch­aus als Bei­mi­schung geeig­net (sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anlei­he­seite), wobei hier grund­sätz­lich breit gestreute Anla­ge­ve­hi­kel (ETFs/Fonds) bevor­zugt wer­den soll­ten.

Die Infor­ma­tio­nen des Markt­kom­men­tars stam­men aus öffent­lich zugäng­li­chen Quel­len, die wir für zuver­läs­sig hal­ten. Für die Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der Anga­ben wird keine Gewähr über­nom­men. Die zum Aus­druck gebrach­ten Mei­nun­gen beru­hen auf der aktu­el­len Ein­schät­zung des Ver­fas­sers und stel­len nicht not­wen­di­ger­weise die Mei­nung der qui­rin bank dar. Sie kön­nen sich ohne vor­her­ge­hende Ankün­di­gung ändern. Der aus­ge­ar­bei­tete Markt­kom­men­tar dient nur zu Infor­ma­ti­ons­zwe­cken und gilt nicht als Ange­bot oder Auf­for­de­rung zum Kauf oder Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren.

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