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Die Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen mit der Abgel­tungs­teuer Teil 2

In Teil 1 des vor­lie­gen­den Arti­kels wur­den drei Mög­lich­kei­ten der Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen auf­ge­zeigt. Der klas­si­sche Fall besteht im Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug direkt von der Bank, so dass die Steuer als abge­gol­ten gilt und keine wei­te­ren Anga­ben in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung erfol­gen müs­sen. Die zweite Mög­lich­keit ist, dass die Kapi­tal­erträge nicht dem Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug aber dem Abgel­tungs­teu­er­satz via Angabe in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung unter­lie­gen. Die dritte Vari­ante stellt den Aus­nah­me­fall der Abgel­tungs­teuer dar. Hier wer­den die Kapi­tal­ein­künfte mit dem indi­vi­du­el­len Steu­er­satz im Rah­men der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung besteu­ert. Teil 2 zur Besteue­rung von Kapi­tal­erträ­gen behan­delt nun die Mög­lich­kei­ten des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs, der Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung, der Berech­nung der Gewinne z.B. bei Akti­en­ver­äu­ße­run­gen sowie die Mög­lich­keit eine Güns­ti­ger­prü­fung vor­neh­men zu las­sen.


Güns­ti­ger­prü­fung. Es besteht grund­sätz­lich die Mög­lich­keit die erziel­ten Kapi­tal­ein­künfte auf Antrag dem kon­ven­tio­nel­len Steu­er­ta­rif zu unter­wer­fen. Hier­bei wer­den ein­fach die Kapi­tal­ein­künfte den wei­te­ren Ein­künf­ten des Steu­er­pflich­ti­gen hin­zu­ge­rech­net und so der indi­vi­du­elle Ein­kom­men­steu­er­ta­rif ermit­telt. Führt die­ser zu einer nied­ri­ge­ren Steuer als zu der des Abgel­tungs­teu­er­ta­rifs (25 Pro­zent, abwei­chend im Falle der Kir­chen­steuer), so wird die­ser ange­wen­det. Der Antrag auf Anwen­dung des nor­ma­len Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs (bis zu 45 Pro­zent) kann aller­dings nur für sämt­li­che Kapi­tal­erträge ein­heit­lich gestellt wer­den. Bei zusam­men­ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten ist eine Antrag­stel­lung eben­falls nur für alle Kapi­tal­erträge bei­der Ehe­gat­ten ein­heit­lich mög­lich. Loh­nens­wert dürfte der Antrag sein, wenn die wei­te­ren Ein­künf­ten sehr nied­rig aus­fal­len. Für hohe Ein­kom­men stellt die Abgel­tungs­teuer mit­un­ter, beson­ders im Falle von Kapi­tal­zin­sen, eine Steu­er­sen­kung gegen­über dem nor­ma­len Ein­kom­men­steu­er­ta­rif dar.

Wer­bungs­kos­ten­ab­zug. Greift der Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug mit Abgel­tungs­wir­kung der ers­ten Kate­go­rie oder der Abgel­tungs­teu­er­satz der zwei­ten Kate­go­rie in Teil 1 die­ses Arti­kels, so ist ein Abzug der Kos­ten, die durch die ent­spre­chen­den Kapi­tal­erträge ver­ur­sacht sind, grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Statt des­sen wird der so genannte Spa­rer­pausch­be­trag in Höhe von 801 Euro bzw. 1.602 Euro im Falle zusam­men­ver­an­lag­ter Ehe­gat­ten von den Kapi­tal­erträ­gen abge­zo­gen. Die­ser Abzug darf aber nicht zu nega­ti­ven Ein­künf­ten füh­ren, d.h. der Abzug erfolgt immer nur maxi­mal in Höhe der Erträge. Ein Abzug der tat­säch­li­chen Wer­bungs­kos­ten ist grund­sätz­lich nur mög­lich, falls der Abgel­tungs­teu­er­ta­rif keine Anwen­dung fin­det und die Anwen­dug des kon­ven­tio­nel­len Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs vor­ge­schrie­ben ist. Im Falle der Güns­ti­ger­prü­fung ist folg­lich eben­falls kein Abzug der tat­säch­li­chen Wer­bungs­kos­ten erlaubt; es kann nur der Wer­bungs­kos­ten­pausch­be­trag gel­tend gemacht wer­den.

Gewinn­be­rech­nung am Bei­spiel von Akti­en­ver­käu­fen. Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung von Aktien berech­net sich als Dif­fe­renz zwi­schen den Ein­nah­men aus der Ver­äu­ße­rung, also dem Ver­kaufs­preis, den Auf­wen­dun­gen, die in unmit­tel­ba­ren sach­li­chen Zusam­men­hang mit dem Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft ste­hen, z.B. den Trans­ak­ti­ons­kos­ten, und den Anschaf­fungs­kos­ten der Aktien. Obwohl die Akti­en­ge­winne grund­sätz­lich dem Kapi­tal­ertrag­steu­er­ab­zug mit Abgel­tungs­wir­kung unter­lie­gen, wird hier ein Abzug der Wer­bungs­kos­ten aus­nahms­weise zuge­las­sen. Die Ver­äu­ße­rung von Aktien stellt daher und vor allem auf­grund der Berück­sich­ti­gung der Anschaf­fungs­kos­ten einen Haupt­an­wen­dungs­fall der Ver­lus­ter­zie­lung durch Kapi­tal­ver­mö­gen dar.

Ver­luste. Ver­luste aus Kapi­tal­ver­mö­gen sind grund­sätz­lich nur inner­halb der Ein­kunfts­art, d.h. nur mit Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen aus­gleichs- und ggf. vor­trags­fä­hig. Ver­luste aus Akti­en­ver­käu­fen dür­fen ins­be­son­dere nur mit Gewin­nen aus Akti­en­ver­käu­fen ver­rech­net wer­den. Die Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung inner­halb eines Ver­an­la­gungs­zeit­raums wird als Ver­lust­aus­gleich und die Berück­sich­ti­gung in spä­te­ren Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men als Ver­lust­vor­trag bezeich­net. Alt­ver­luste aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten wie z.B. aus Wert­pa­pier­ver­äu­ße­run­gen kön­nen grund­sätz­lich mit Ver­äu­ße­rungs­ge­win­nen aus Kapi­tal­ver­mö­gen bis ein­schließ­lich 2013 ver­rech­net wer­den. Danach ist nur noch eine Ver­rech­nung von alten Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­ten mit Ein­künf­ten aus pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten mög­lich. Hierzu zäh­len seit 2009 Wert­pa­pier­ver­äu­ße­run­gen nicht mehr, aber z.B. Grund­stücks­ver­käufe inner­halb von 10 Jah­ren nach Ankauf.

Fazit. Ein gro­ßes Ziel der Abgel­tungs­teuer war die Ver­ein­fa­chung. Lei­der ist die­ses Ziel, wenn über­haupt, nur teil­weise gelun­gen. Nach wie vor stellt die Besteue­rung von Kapi­tal­ein­künf­ten ein kom­ple­xes The­men­ge­biet des Steu­er­rechts dar, bei dem der Teu­fel oft im Detail steckt. Sind Sie sich also nicht sicher wie Sie z.B. Ver­luste noch berück­sich­ti­gen kön­nen oder ob für Ihre Anla­ge­form die Abgel­tungs­teuer greift oder nicht, zögern Sie nicht, Ihren Steu­er­be­ra­ter nach Rat zu fra­gen.

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