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Steu­ern spa­ren mit einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung

Viele Arbeit­neh­mer woh­nen heut­zu­tage nicht in dem Ort, in dem sie auch arbei­ten. Bei man­chen Arbeit­neh­mern ist diese räum­li­che Distanz zwi­schen Wohn- und Beschäf­ti­gungs­ort so hoch, dass sich täg­li­ches Pen­deln nicht lohnt und sich der Arbeit­neh­mer eine Zweit­woh­nung am Beschäf­ti­gungs­ort nimmt. Im Rah­men einer steu­er­li­chen dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung gibt es unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die Mög­lich­keit den finan­zi­el­len Auf­wand für diese dop­pelte Haus­halts­füh­rung (z.B. die Miete für die Zweit­woh­nung) steu­er­lich in Form von Wer­bungs­kos­ten gel­tend zu machen.


Die ent­spre­chen­den Wer­bungs­kos­ten min­dern die steu­er­li­che Bemes­sungs­grund­lage und somit auch die Ein­kom­men­steu­er­last. Mög­lich nach R 9.11 Abs. 10 LStR ist alter­na­tiv auch eine steu­er­freie Erstat­tung der Kos­ten durch den Arbeit­ge­ber. Eine steu­er­li­che Gel­tend­ma­chung der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung kann folg­lich Steu­ern und somit Geld spa­ren, so dass sich die tat­säch­li­chen Kos­ten der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung z.B. für eine Zweit­woh­nung ver­rin­gern kön­nen.

Hier­für muss aber zunächst eine dop­pelte Haus­halts­füh­rung im steu­er­li­chen Sinne vor­lie­gen.

Dies ist nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG und R 9.11 LStR der Fall, wenn der Arbeit­neh­mer außer­halb des Ortes des eige­nen Haus­stan­des beschäf­tigt ist und zusätz­lich am Beschäf­ti­gungs­ort wohnt. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Abzieh­bar­keit der Kos­ten der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung sind im Ein­zel­nen:

  • Es muss nach R 9.11 Abs.3 LStR ein eige­ner Haus­stand am eigent­li­chen Wohn­ort des Arbeit­neh­mers vor­lie­gen (Erst­woh­nung). Die­ser Haus­stand muss vom Arbeit­neh­mer tat­säch­lich auch unter­hal­ten wer­den, d.h. der Arbeit­neh­mer muss sich an den (Miet-)Kosten zumin­dest betei­li­gen. Ob es sich hier­bei um Wohn­ei­gen­tum, eine ange­mie­tete Woh­nung oder ein Haus han­delt ist irrele­vant. Der Arbeit­neh­mer
    muss aber ein eige­nes oder abge­lei­te­tes Wohn­recht z.B. durch einen Miet­ver­trag oder einen Unter­miet­ver­trag inne­ha­ben. Wohnt er z.B. ledig­lich in einem Zim­mer bei sei­nen Eltern reicht dies hier­für in der Regel nicht aus; selbst wenn er dafür Miete zahlt.
  • Der Mit­tel­punkt der Lebens­in­ter­es­sen muss nach R 9.11 Abs. 3 LStR am Ort des eige­nen Haus­stands (Erst­woh­nung) lie­gen, d.h. der Arbeit­neh­mer muss sich grund­sätz­lich immer dort auf­hal­ten; ledig­lich unter­bro­chen durch arbeits­be­dingte Abwe­sen­heit und Urlaub. Bei Ver­hei­ra­te­ten liegt gemäß R 9.10 Abs. 1 S. 4 ff LStR die­ser Mit­tel­punkt dort, wo die Fami­lie bzw. Ehe­frau wohnt, wenn der Arbeit­neh­mer min­des­tens sechs­mal im Kalen­der­jahr seine Fami­lie bzw. Ehe­frau besucht. Ist der Arbeit­neh­mer nicht ver­hei­ra­tet, so sind die per­sön­li­chen Bezie­hun­gen ent­schei­dend. Befin­det sich z.B. der Freun­des- und Ver­wand­ten­kreis am Ort der Erst­woh­nung, so ist dies ein kla­rer Anhalts­punkt dafür, dass der Mit­tel­punkt der Lebens­in­ter­es­sen auch hier liegt. Fährt der Arbeit­neh­mer 24-mal im Kalen­der­jahr zu sei­ner Erst­woh­nung, so ist diese Vor­aus­set­zung grund­sätz­lich erfüllt.
  • Es muss eine Zweit­woh­nung am Beschäf­ti­gungs­ort der regel­mä­ßi­gen Arbeits­stätte nach H 9.11 LStH vor­lie­gen. Hier­für kommt sowohl Wohn­ei­gen­tum als auch ange­mie­te­ter Wohn­raum in Betracht. Ein Hotel­zim­mer reicht hier­für lei­der nicht aus, es sei denn es wird für das ganze Jahr ange­mie­tet und steht dem Arbeit­neh­mer stän­dig zur Ver­fü­gung. Sucht der Arbeit­neh­mer die Zweit­woh­nung nur auf, wenn er Über­stun­den macht, ist dies trotz­dem aus­rei­chend, denn die Anzahl der Über­nach­tun­gen spielt grund­sätz­lich keine Rolle.
  • Die dop­pelte Haus­halts­füh­rung muss beruf­lich ver­an­lasst sein. Diese Vor­aus­set­zung ist nach R 9.11 Abs. 2 LStR gege­ben, wenn der Arbeit­neh­mer dienst­lich ver­setzt wird, sein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis wech­selt oder er erst­ma­lig ein Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis auf­nimmt. Aus­rei­chend ist aber auch, wenn zwei Ehe­gat­ten an ver­schie­de­nen Orten woh­nen und die steu­er­li­che dop­pelte Haus­halts­füh­rung dadurch begrün­det wird. Nach neuer Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ist diese Vor­aus­set­zung sogar auch erfüllt, wenn der Arbeit­neh­mer sei­nen Haupt­wohn­sitz aus pri­va­ten Grün­den vom Beschäf­ti­gungs­ort auf Dauer weg­ver­legt
    (so genannte „Weg­ver­le­gungs­fälle“) und somit eine dop­pelte Haus­halts­füh­rung ent­steht. Der Fami­li­en­stand spielt hier­bei grund­sätz­lich keine Rolle. In die­sem Fall sind aller­dings die ent­ste­hen­den Umzugs­kos­ten pri­vat und nicht als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar.

Sind die o.g. Vor­aus­set­zun­gen alle­samt erfüllt, so las­sen sich die fol­gen­den Aus­ga­ben bzw. Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten steu­er­lich gel­tend machen oder steu­er­frei durch den Arbeit­ge­ber erstat­ten:

  • Gemäß H 9.11 Abs. 5-10 LStH die Kos­ten für eine Zweit­woh­nung inkl. Neben­kos­ten für eine nach Lage und Aus­stat­tung durch­schnitt­li­cher Woh­nung bis 60 m² Wohn­flä­che. Kos­ten für Luxus­woh­nun­gen oder beson­ders teure Wohn­ge­biete wer­den folg­lich nicht in vol­ler Höhe abzieh­bar sein. Die Kos­ten kön­nen Miete aber auch bei Wohn­ei­gen­tum z.B. Abschrei­bun­gen, Hypo­the­ken­zin­sen oder Repa­ra­tu­ren sein. Ist die Woh­nung grö­ßer als 60 m² wer­den die steu­er­lich abzieh­ba­ren Aus­ga­ben bzw. Auf­wen­dun­gen vom Finanz­amt ent­spre­chend gekürzt.
  • Die tat­säch­li­chen Kos­ten oder die Ent­fer­nungs­pau­schale für die erste und die letzte Fahrt im Rah­men der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung.
  • Die Kos­ten für Fami­li­en­heim­fahr­ten zum eige­nen Haus­stand (Erst­woh­nung) ein­mal pro Woche in Höhe von EUR 0,30 pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zwi­schen Erst- und Zweit­woh­nung nach R 9.11 Abs. 6 LStR. Wird das Flug­zeug als Ver­kehrs­mit­tel benutzt, kön­nen sogar die tat­säch­li­chen nach­ge­wie­se­nen Kos­ten hier­für ange­setzt wer­den, da hier die Ent­fer­nungs­pau­schale nicht gilt.
  • Für die ers­ten drei Monate der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung so genannte Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen gemäß R 9.11 Abs. 7 LStR. Dies sind Pausch­be­träge (EUR 6 bis EUR 24) gestaf­felt nach der Abwe­sen­heits­dauer von der Erst­woh­nung.
  • Tat­säch­li­che und nach­ge­wie­sene Umzugs­kos­ten anläss­lich des Bezugs der Zweit­woh­nung. Pausch­be­träge kön­nen hier lei­der nach R 9.11 Abs. 9 LStR nicht ange­setzt wer­den.

Grund­sätz­lich kann der Arbeit­neh­mer wäh­len, ob er die Ent­fer­nungs­pau­schale für die Wege zwi­schen sei­ner Erst­woh­nung, an dem sein Mit­tel­punkt der Lebens­in­ter­es­sen liegt, nach § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 S. 6 EStG und sei­ner Arbeits­stätte steu­er­lich gel­tend machen möchte oder die o.g. abzugs­fä­hi­gen bzw. steu­er­frei erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten für seine steu­er­li­che dop­pelte Haus­halts­füh­rung. Wel­che Vari­ante mehr Steu­ern spart, sollte in jedem Fall kon­kret aus­ge­rech­net wer­den, um eine opti­male steu­er­li­che Gel­tend­ma­chung zu gewähr­leis­ten.

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