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Kor­rup­ti­ons­prä­ven­tion

„Das gibt es bei uns nicht! – Wir sind doch nur ein klei­nes Unter­neh­men.“ Im all­ge­mei­nen Bewusst­sein wird Wirtschaftskrimina­lität spon­tan immer noch Groß­kon­zer­nen zuge­schrie­ben und Kor­rup­tion als ein Pro­blem von Bana­nen­re­pu­bli­ken bewer­tet. Die Sta­tis­ti­ken in Deutsch­land sind jedoch erschre­ckend und zei­gen, dass unab­hän­gig von ihrer Größe knapp die Hälfte aller deut­schen Unter­neh­men Opfer von Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät sind. In unse­rem The­men­schwer­punkt geben wir einen Über­blick über die Kor­rup­ti­ons­si­tua­tion in Deutsch­land und zei­gen Wege zur Bekämp­fung von Betrug, Bestech­lich­keit, Untreue und Vor­teils­nahme in der täg­li­chen Pra­xis.


Als Trans­pa­rency International1993 gegrün­det wurde, galt die öffent­li­che Behaup­tung, in Deutsch­land sei Kor­ruption (dolose Hand­lun­gen) an der Tages­ordnung, als Nest­be­schmut­ze­rei. Deutsch­land schien ein sau­be­res Land zu sein und sollte es auch blei­ben. Seit­dem hat sich vie­les geän­dert: Fast täg­lich kön­nen wir neue und spek­ta­ku­läre Kor­rup­ti­ons­skan­dale in den Medien ver­fol­gen und es ent­steht der Ein­druck, Deutsch­land sei auf das Niveau von Län­dern her­ab­ge­sun­ken, auf die wir frü­her gerne her­ab­ge­se­hen haben.

Bedeu­tet dies, dass in den letz­ten Jah­ren die Kor­rup­tion in Deutsch­land in einem sol­chen Maße zuge­nom­men hat? Zunächst ein­mal bedeu­tet es, dass heute mehr dar­über gespro­chen wird. Es ist in das all­ge­meine Bewusst­sein ein­ge­drun­gen, dass Deutsch­land nicht so unschul­dig ist wie ver­mu­tet, dass Kor­rup­tion ein zu bekämp­fen­des volks­wirtschaftliches Geschwür ist und dass erst die öffent­li­che Dis­kus­sion den Scha­den er­kennbar macht. Wir erfah­ren heute aus den ver­schie­de­nen Medien und Quel­len von Vor­gängen, die frü­her ver­schwie­gen und ver­tuscht wur­den. Daher erfah­ren und verzeich­nen wir über die­ses Thema mehr als frü­her. Aber gibt es auch mehr? Der Ver­dacht ist ein ande­rer und er ist schlim­mer: Korrup­tion hat es auch hier­zu­lande schon immer gege­ben und Deutsch­land war nie das sau­bere Land, als das wir es gerne wahr­ha­ben woll­ten.

Was ist Kor­rup­tion? Die Flick-Affäre, der Skan­dal um die schwar­zen Kas­sen der CDU-Par­tei­spen­den­af­färe, der Star­figh­ter-Skan­dal, die Sie­mens Schmier­geld-Affäre oder der Flow­Tex-Betrug, der nach­hal­tig alle Kre­dit­su­chen­den beein­träch­tigt und heute noch an den Pran­ger stellt: Diese Skanda­le sind Stich­wör­ter aus der frü­hen Vergan­genheit und Gegen­wart der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und soll­ten nie­mals ver­ges­sen wer­den. Sie füh­ren aber ein wenig in die Irre, da sie das Gefühl ver­mit­teln, Kor­rup­tion sei ein Pro­blem gro­ßer Orga­ni­sa­tio­nen, multi­nationaler Kon­zerne oder das Ergeb­nis be­sonders kri­mi­nel­ler Ener­gie.

Kor­rup­tion fin­det jedoch genauso im Klei­nen statt: Sta­tis­tisch gese­hen sind 49 % der deut­schen Unter­neh­men Opfer von Wirt­schaftskriminalität. Die offen­kun­dige Alltäg­lichkeit dolo­ser Hand­lun­gen in Deutsch­land ist somit nicht nur ein Scha­den für die je­weiligen Unter­neh­men, son­dern ebenso für die gesamte Volks­wirt­schaft und die­je­ni­gen Kauf­leute, die ihre Geschäfte ehr­lich und red­lich betrei­ben.

Was aber ist die Kor­rup­tion „im Klei­nen“? Ganz ein­fach: Unter­neh­men A will an Unter­nehmen B etwas ver­kau­fen, z. B. eine Te­lefonanlage, einen Mobil­funk­ta­rif oder eine Bau­leis­tung. Dabei ver­si­chert sich Unter­nehmen A der beson­de­ren Auf­merk­sam­keit eines ent­schei­dungs­be­fug­ten Mit­ar­bei­ters in Unter­neh­men B durch mehr oder weni­ger große Zuwen­dun­gen. Dies kann schlicht die Zuschie­bung eines Umschlags mit Geld sein, oft­mals sind es aber auch sach­be­zo­gene Zuwen­dun­gen wie der pro­fane Kauf einer Wasch­ma­schine, die Finan­zie­rung eines Ur­laubs oder ohne Rech­nung gelie­ferte Steine für die hei­mi­sche Gar­ten­ter­rasse. Dadurch befür­wor­tet der Mit­ar­bei­ter des Unterneh­mens B das Ange­bot des Unter­neh­mens A und drückt womög­lich noch ein Auge bei den Kon­di­tio­nen des Ange­bots zu.

Das geschil­derte Sze­na­rio ist nahezu all­täglich und wird von den Tätern nicht mal mit einem Unrechts­be­wusst­sein ver­knüpft, son­dern gilt als ein unver­zicht­ba­res Instru­ment im wirt­schaft­li­chen Kon­kur­renz­kampf.

Höchst inter­es­sant ist dabei das sta­tis­tisch am wei­tes­ten ver­brei­tete Täter­pro­fil: Der „typi­sche“ Täter ist rela­tiv ange­passt, ver­fügt über grund­sätz­lich legale Wert­vor­stel­lun­gen, lebt in lega­len und unauf­fäl­li­gen Sozi­al­struk­tu­ren und enga­giert sich beruf­lich über das Nor­male hin­aus. Stich­punkt­ar­tig zusam­men­ge­fasst, kenn­zeich­nen den typi­sche Täter in Deutsch­land fol­gende Eigen­schaf­ten:

  • männ­lich
  • deutsch
  • nicht vor­be­straft
  • keine Schul­den (zumin­dest keine, die bekannt sind)
  • ver­fügt über gewisse Macht- und Ent­schei­dungs­be­fug­nisse in der Orga­ni­sa­tion
  • ist ehr­gei­zig, inves­tiert viel Zeit in den Beruf
  • ver­fügt häu­fig über hohe Fach­kom­pe­tenz, ist ein Auf­stei­ger­typ, häu­fig über den zwei­ten Bil­dungs­weg, absol­viert viele Aus- u. Fort­bil­dun­gen
  • Vor­stands­mit­glie­der
  • ist mit den Struk­tu­ren der Orga­ni­sa­tion über viele Jahre ver­traut
  • legt Wert auf gesell­schaft­li­chen Sta­tus und hohen Lebens­stan­dard
  • hat keine ille­ga­len Wert­vor­stel­lun­gen
  • ver­steht sich nicht als kri­mi­nell han­delnd
  • ver­fügt über aus­ge­prägte Recht­fer­ti­gungs- und Neu­tra­li­sie­rungs­tech­ni­ken

Der typi­sche Täter ist also in keins­ter Weise durch unsere Vor­ur­teile als klas­si­sche „Betrü­ger­per­sön­lich­keit“ zu iden­ti­fi­zie­ren, son­dern ent­spricht ten­den­zi­ell eher unse­rem Bild des vor­bild­li­chen Mit­ar­bei­ters.

Kor­rup­tion ist nicht neu, sie war immer schon da Die Kor­rup­tion, die heute ans Licht kommt, ist die, die sich ges­tern und vor­ges­tern ereig­net hat. Kor­rup­tion ist zu einem Bestand­teil unse­res Wirt­schafts­sys­tems gewor­den, des­sen ers­tes und obers­tes Ziel Pro­fit­ma­xi­mie­rung ist. Wer um jeden Preis einen mög­lichst hohen Gewinn erzie­len muss, kann mit­un­ter der Ver­su­chung der Kor­rup­tion erlie­gen. Jeder Mana­ger, Lei­ter, Ein­käu­fer, Ver­käu­fer etc., der seine Hand­lun­gen damit recht­fer­tigt, dass seine Kon­kur­ren­ten ebenso vor­ge­hen, dass er anders im Wett­be­werb nicht bestehen kann, bestä­tigt diese Erkennt­nis. Zahl­rei­che Exper­ten und Stu­dien machen deut­lich, dass Schmier­geld­zah­lun­gen zur aggres­si­ven Durch­set­zung von Unter­neh­mens­in­ter­es­sen ein fes­ter Bestand­teil der Geschäfts­po­li­tik sind und im Lage­bild Kor­rup­tion des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes (BKA) (Aus­gabe 2003, S. 49) wird fest­ge­stellt, dass Bestechung ein „mehr oder weni­ger pro­fes­sio­nell genutz­tes Mit­tel“ des nor­ma­len Geschäfts­ge­ba­rens sei.

Pro­blem­feld Gesetz­ge­bung: Was legal ist, kann nicht kor­rupt sein Die Kor­rup­ti­ons­wahr­neh­mung in Deutsch­land ist auch dadurch getrübt, dass es hier­zu­lande kaum Anti­kor­rup­ti­ons­ge­setze gibt, denn was nicht ille­gal ist, kann logi­scher­weise nicht als kor­rupt bezeich­net wer­den. Trag­bar ist sogar die Behaup­tung, dass Teile der Geset­zes­lage selbst kor­rup­ti­ons­för­dernd waren und zum Teil noch sind. So war es frü­her der Fall, dass bestimmte Bestechungs­gel­der sogar als Kos­ten steu­er­lich abzugs­fä­hig waren. Die­ses freund­li­che Klima war der per­fekte Dün­ger für die Über­zeu­gung, Kor­rup­tion sei ein pro­ba­tes und ange­mes­se­nes Mit­tel im wirt­schaft­li­chen Wett­be­werb.

Durch die öffent­li­che Sen­si­bi­li­sie­rung sind poli­tisch in den letz­ten Jah­ren viele Schritte zur Kor­rup­ti­ons­prä­ven­tion und -bekämp­fung voll­zo­gen wor­den, z. B. durch die Ver­bes­se­rung der Geset­zes­lage. So sind Bestechungs­gel­der nicht mehr nur nicht steu­er­lich abzugs­fä­hig, son­dern mitt­ler­weile völ­lig ille­gal. Die Bestechung aus­län­di­scher Staats­be­diens­te­ter ist heute ebenso straf­bar wie die inlän­di­scher, was dem Grunde nach auch vor­her schon iden­tisch war, nur vom Gesetz­ge­ber zuguns­ten der Auf­trags­lage inlän­di­scher Unter­neh­men eine lange Zeit nicht straf­be­wehrt war. Nicht nur gegen­über staat­li­chen Stel­len, son­dern auch im Ver­hält­nis zu ande­ren Unter­neh­men gibt es heute den Straf­tat­be­stand der Bestechung als Offi­zi­al­de­likt. Schon allein die Gewäh­rung und Annahme von Vor­tei­len ist straf­bar, auch wenn die Ver­ein­ba­rung einer Gegen­leis­tung nicht nach­weis­bar ist. Seit dem 01.01.2006 gibt es das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz (IFG), das den Bür­gern und den Medien neue Mög­lich­kei­ten zur Auf­de­ckung von Kor­rup­tion an die Hand gibt.

Der Bewusst­seins­wan­del des Gesetz­ge­bers ist aber lei­der noch längst nicht zu allen in der Wirt­schaft Täti­gen durch­ge­drun­gen. Was eben­falls nicht ver­wun­dert, weil noch viele Maß­nah­men auf sich war­ten las­sen. So ist die Bestechung von Ange­hö­ri­gen der freien Berufe (Archi­tek­ten, Anwälte, Jour­na­lis­ten) wei­ter­hin nicht straf­be­droht, die von Abge­ord­ne­ten ist es nur für einen allzu eng umschrie­be­nen Tat­be­stand, die Ein­rich­tung eines – immer wie­der gefor­der­ten – Zen­tral­re­gis­ters kor­rup­tiv täti­ger Unter­neh­men wird wei­ter ver­zö­gert. Zu einer Rege­lung, die Unter­neh­men und nicht nur Per­so­nen straf­bar macht, wie es in den USA oder Frank­reich gere­gelt ist, konnte sich der deut­sche Gesetz­ge­ber bis­her nicht ent­schlie­ßen.

Zehn von sech­zehn Bun­des­län­dern haben Schwer­punkt­staats­an­walt­schaf­ten zur Ver­fol­gung von Kor­rup­ti­ons­de­lik­ten ein­ge­rich­tet. Der Erfolg ist eine deut­lich gestie­gene Auf­klä­rungs­quote. Andere Län­der hal­ten einen sol­chen Schritt jedoch nach wie vor für ver­zicht­bar. So gibt es in Bay­ern und Hes­sen – und hier man­gelt es sicher auch nicht an Kor­rup­tion – sol­che Schwer­punkt­de­zer­nate nur für den Bereich der Städte.

Die Erfah­rung zeigt, dass Kor­rup­tion über­all da ent­deckt wird, wo man beginnt nach­zu­for­schen. Kor­rup­tion ist somit ein „Kon­troll­de­likt“.

Posi­tive gesetz­li­che Ent­wick­lung: Wer schmiert, arbei­tet umsonstBei Kor­rup­ti­ons­sach­ver­hal­ten besteht die Beson­der­heit, dass auf der Seite des Zuwen­dungs­ge­bers, also des Bestechers, im Regel­fall zwei Per­so­nen betei­ligt sind: Die natür­li­che Per­son des Täters, der das Kor­rup­ti­ons­de­likt, also die Straf­tat, begeht; dane­ben aber auch die juris­ti­sche Per­son, näm­lich die Firma (des Täters), die den aus der Unrechtsvereinba­rung mit dem Besto­che­nen resul­tie­ren­den Auf­trag erhält. Der aus der Straf­tat (Kor­ruptionsdelikt) erlangte Vor­teil (Auf­trag) befin­det sich also nicht beim straf­recht­lich ver­ant­wort­li­chen Täter, son­dern bei einem Drit­ten. Folg­lich muss sich die Abschöp­fungsmaßnahme, also die Rück­füh­rung des Scha­dens, gegen die­sen Drit­ten, im Regel­fall also gegen die Firma des Täters, rich­ten. Die Anspruchs­grund­lage hier­für fin­det sich in § 73 Abs. 3 StGB:

„Hat der Täter oder Teil­neh­mer für einen an­deren gehan­delt und hat dadurch die­ser etwas erlangt, so rich­tet sich die Anord­nung des Ver­falls … gegen ihn.“

Der Wort­laut die­ser Rege­lung erin­nert an die Ver­tre­ter­vor­schrift aus dem Bür­ger­li­chen Gesetz­buch. Es ist immer dann unproblema­tisch, wenn der Täter der Ver­tre­ter der be­günstigten Firma ist (z. B. Geschäfts­füh­rer einer GmbH). Was ist aber, wenn ein nicht ver­tre­tungs­be­fug­ter Täter durch Kor­rup­tion oder andere Straf­ta­ten das Ver­mö­gen sei­nes Unternehmens/Arbeitgebers mehrt (ein lei­tender Ange­stell­ter der X sorgt dafür, dass sich eine Bun­des­be­hörde bei der Bestel­lung neuer Dienst­wa­gen für X ent­schei­det; ein Buch­hal­ter bes­sert aus Angst um den Ver­lust sei­nes Arbeits­plat­zes ohne Wis­sen der Fir­men­lei­tung die deso­late wirt­schaft­li­che Situa­tion sei­ner Firma auf, indem er beim Finanz­amt durch Vor­lage gefälsch­ter Rech­nungen Vor­steu­er­erstat­tun­gen erschwin­delt usw.). Hier stellt sich die Frage nach dem Umfang des Anwen­dungs­be­reichs von § 73 Abs. 3 StGB. Bedeu­tet die For­mu­lie­rung „für einen ande­ren“, dass der Täter ausschließ­lich für den Drit­ten tätig gewor­den sein muss oder darf er auch auto­nome Ziele ver­fol­gen? Muss der Dritte von der Straf­tat zu sei­nen Guns­ten posi­tive Kennt­nis haben oder haf­tet er auch bei Gut­gläu­big­keit? Ist aus dem Wört­chen „dadurch“ zu lesen, dass zwi­schen Straf­tat des Täters und Bereicherungsein­tritt beim Drit­ten ein Unmittelbarkeitszu­sammenhang bestehen muss?

All diese Fra­gen hat der Bundesgerichts­hof in einer für das Abschöp­fungs­recht bahn­bre­chen­den Ent­schei­dung beantwor­tet. Dar­aus ergibt sich, dass neben dem Zu­wendungsempfänger ins­be­son­dere auch der Zuwen­dungs­ge­ber Gefahr läuft, die gesamte durch Kor­rup­tion erlangte Bruttoauftrags­summe zu ver­lie­ren. Damit lässt sich auf der Grund­lage des Abschöp­fungs­rechts die Ansage for­mu­lie­ren: „Wer schmiert, arbei­tet umsonst!“

Die kon­se­quente Abschöp­fung der durch Bestechung und Vor­teils­ge­wäh­rung er­langten Auf­trags­sum­men, egal ob bei der Ein-Mann-GmbH oder beim Welt­kon­zern, stellt also auch für die Firma des Zuwen­dungsgebers ein hohes wirt­schaft­li­ches Ri­siko dar, wodurch sich hof­fent­lich posi­tive Prä­ven­ti­ons­ef­fekte bereits auf­sei­ten von Zu­wendungsgebern ent­wi­ckeln.

Kor­rup­ti­ons­prä­ven­tion: Erhö­hung der Ent­de­ckungs­wahr­schein­lich­keit Die beste Prä­ven­ti­ons­maß­nahme stellt die Erhö­hung der Ent­de­ckungs­wahr­schein­lich­keit dar, dies gilt ins­be­son­dere bei kal­ku­lier­ba­ren Delik­ten, wie Wirt­schafts­straf­ta­ten und Kor­ruption. Grund­lage hier­für sind die Verbes­serung und Sen­si­bi­li­sie­rung des Umgangs mit Infor­ma­tio­nen und Ver­fah­ren, die Einfüh­rung und/oder bes­sere Ver­net­zung der Kon­trollinstanzen und die effi­zi­ente Orga­ni­sa­tion von Auf­klä­rungs­maß­nah­men.

Ein­satz von Revi­so­ren Zur Korruptionsprä­vention emp­fiehlt sich der Ein­satz von exter­nen und inter­nen Revi­so­ren.

Externe Revi­so­ren kön­nen dabei durch ihre spe­zia­li­sier­ten Prü­fun­gen Verdachts­momente ent­de­cken und auf­ar­bei­ten und unter­stüt­zen die Geschäfts­füh­rung, Inha­ber und/oder die zustän­di­gen Kon­troll­stel­len beim Ver­dacht auf delik­ti­sche Hand­lun­gen bei den anzu­wen­den­den Ver­fah­ren zur Auf­deckung und Anzeige von Kor­rup­ti­ons­fäl­len.

Die aktive Rolle bei der Prä­ven­tion fällt inter­nen Revi­so­ren zu, die mit Maß­nah­men wie z. B. dem Auf­stel­len von Ethik­nor­men und der Ein­füh­rung von Ver­fah­ren zur Anzei­ge von betrieb­li­chen Zwei­fels­fäl­len (Alarm­system) die Kor­rup­ti­ons­ver­hü­tung steu­ern.

Drei Pro­zess­mo­dule zum Umgang mit Kor­ruption Um höchst­mög­li­che Effi­zi­enz bei der Prä­ven­tion, Auf­de­ckung und Aufarbei­tung von Kor­rup­ti­ons­de­lik­ten zu errei­chen, Pro­zesse. Nach­fol­gend sind einige Maßnah­men bei­spiel­haft auf­ge­lis­tet.

Zur Prä­ven­tion gilt es einen ethi­schen Kodex auf­zu­stel­len, im Rah­men des­sen das Grund­ver­ständ­nis der Berufs­aus­übung auch im Zusam­men­hang mit dolo­sen Hand­lun­gen auf­ge­zeich­net wird. Ein­kaufs­richt­li­nien soll­ten kla­ren Vor­ga­ben fol­gen. Neue Mitar­beiter oder Mit­ar­bei­ter, die in Schlüsselposi­tionen ver­setzt wer­den, soll­ten einem Inte­gritätstest unter­zo­gen wer­den. Poten­zi­elle Lie­fe­ran­ten soll­ten im Vor­feld Präventiv­kontrollen unter­zo­gen wer­den. Einkaufsent­scheidungen soll­ten nicht in einer Hand lie­gen, son­dern z. B. einem Vier-Augen-Prin­zip fol­gen.

Zur Auf­de­ckung eines Kor­rup­ti­ons­falls soll­ten Hin­weis­ge­ber­sys­teme externe und interne Hin­weise ent­ge­gen­neh­men, be­arbeiten und auf Glaub­wür­dig­keit prü­fen. Ein­kaufs­pro­zesse soll­ten regel­mä­ßig auf Ein­hal­tung geprüft und Ver­stöße dage­gen iden­ti­fi­ziert wer­den. Pro­zesse und Ver­träge soll­ten regel­mä­ßig durch unab­hän­gige und objek­tive externe Revi­so­ren geprüft wer­den, um Vor­fälle und Risi­ken in Pro­zes­sen zu iden­ti­fi­zie­ren. Bei kon­kre­tem Ver­dacht sind Son­der­prü­fun­gen durch­zu­füh­ren.

Bei Auf­de­ckung eines Kor­rup­ti­ons­falls emp­fiehlt sich eine struk­tu­rierte Aufarbei­tung. Ein Kri­sen­ma­nage­ment sollte dabei sys­te­ma­tisch die Kri­sen­si­tua­tion untersu­chen und durch Son­der­prü­fun­gen die ge­nauen Ursa­chen und den Ablauf der dolo­sen Hand­lun­gen ermit­teln. Im Anschluss gilt es ange­mes­sene Sank­tio­nen auf­zu­stel­len, z. B. die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses bis hin zur Initi­ie­rung einer straf­recht­li­chen Ver­fol­gung. In einer Nach­gangs­ana­lyse sollte der Vor­fall genau doku­men­tiert wer­den und neue Erkennt­nisse soll­ten in den Prä­ven­ti­ons­pro­zess auf­ge­nom­men wer­den.

Pra­xis­bei­spiel: Unterschlagung/Bestechung in Indus­trie­be­trieb Die Aus­gangs­si­tua­tion. Durch einen inter­nen Hin­weis wurde in einem Indus­trie­un­ter­neh­men die Unter­neh­mens­lei­tung über einen Betrugs­ver­dacht im Bereich des Ein­kaufs infor­miert. Der externe Revi­sior wurde durch die Geschäfts­lei­tung beauf­tragt, ermit­telnd tätig zu wer­den. Der Auf­trag umfasste die schnelle Sicher­stel­lung des not­wen­di­gen Beweis­ma­te­ri­als, das den Vor­wurf der Unter­schla­gung bele­gen sollte.

Infra­struk­tur des Auf­trag­ge­bers. Der Ein­kauf wurde zen­tral über ein ein­ge­führ­tes ERP-Sys­tem abge­wi­ckelt. Es waren zwei eigen­stän­dige und getrennt arbei­tende Abtei­lun­gen mit der Beschaf­fung beschäf­tigt. Die Zugriffs­be­schrän­kun­gen und die getrenn­ten Ver­ant­wor­tun­gen soll­ten gemein­same Aktio­nen zum Scha­den des Unter­neh­mens vor­beu­gen und ver­hin­dern.

Auf­ga­ben­stel­lung. Auf­grund der gro­ßen Menge der zu über­prü­fen­den Daten und Doku­mente, musste eine metho­den- und tool­ge­stützte Daten­ana­lyse durch­ge­führt wer­den. Es muss­te ein Abgleich der Geschäfts­vor­fälle erstellt wer­den, in dem die Lie­fe­ran­ten­ver­träge mit den ent­spre­chen­den Lie­fe­run­gen, den Ein­gangs­rech­nun­gen und den zen­tra­len gespei­cher­ten Lie­fer­kon­di­tio­nen gegen­über­ge­stellt wer­den.

Vor­ge­hens­weise. Vor­be­rei­tend wur­den die Geschäfts­vor­fälle (Bestel­lun­gen, Lie­fer­scheine, Rech­nun­gen) in eine gemein­same Daten­bank zusam­men­ge­führt. Diese Daten wur­den anschlie­ßend mit der zen­tra­len Auf­trags- und Kon­di­ti­ons­da­tei durch Ver­wen­dung eines Ana­ly­se­tools mit­ein­an­der abge­gli­chen, um fest­zu­stel­len, inwie­weit Abwei­chun­gen zwi­schen den ver­ein­bar­ten und den in den Bele­gen aus­ge­wie­se­nen Kon­di­ti­ons- und Zah­lungs­be­din­gun­gen nach­zu­wei­sen waren. Wegen der Größe des Daten­be­stan­des und um mög­lichst schnell zu greif­ba­ren Ergeb­nis­sen zu kom­men, wur­den nur das Stich­pro­ben­ver­fah­ren zur ers­ten Prü­fung aus­ge­wählt.

Fest­stel­lun­gen. Weil die Ver­ant­wort­lich­kei­ten in unter­schied­li­chen Abtei­lun­gen getrennt waren, fehlte es an einem über­grei­fen­den Wis­sen und damit auch an einer über­grei­fen­den Kon­trolle. Das Wis­sen über die Kon­di­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen war nicht aus­rei­chend vor­han­den, sodass es in den Abtei­lun­gen mög­lich war, das zen­trale Kon­di­ti­ons­sys­tem für ihre eige­nen Zwe­cke unbe­merkt zu miss­brau­chen, z. B. aus­ge­wähl­ten Lie­fe­ran­ten vor­teil­haf­tere Kon­di­tio­nen ein­zu­räu­men und daran selbst zu par­ti­zi­pie­ren.

Ergeb­nis. In die­sem Fall war es mög­lich, durch den Ein­satz ent­spre­chen­der Ana­ly­se­tools inner­halb von zwei Mona­ten eine Ver­un­treu­ung in Höhe von ca. 130.000,00 Euro zu erken­nen, beweis­kräf­tig zu doku­men­tie­ren und die Grund­lage zu schaf­fen, dass ein gro­ßer Teil die­ser Gel­der wie­der zurück­ge­holt wer­den konnte.

Resü­mee Der geschil­derte Pra­xis­fall links zeigt, wie wich­tig es ist, mit­hilfe eines struk­turierten und metho­di­schen Vor­ge­hens un­ter Zuhil­fe­nahme geeig­ne­ter Prüf­werk­zeuge wirt­schafts­kri­mi­nelle und dolose Hand­lungen auf­zu­de­cken. Da häu­fig zeit­li­cher Ver­zug besteht und der Rah­men der Ermitt­lung vor Ort zeit­lich auf ein enges Maß be­grenzt ist, garan­tiert nur ein qua­li­fi­zier­tes und sys­te­ma­ti­sches Vor­ge­hen ein zweckmä­ßiges und erfolg­rei­ches Han­deln der Betrof­fenen.

Die funk­ti­ons­si­cher geglaubte Verarbei­tung von Geschäfts­da­ten kann immer wie­der miss­braucht und für Unre­gel­mä­ßig­kei­ten und per­sön­li­che Berei­che­rung und Betrug über län­gere Zeit genutzt wer­den. Größten­teils wer­den die über­wie­gende Anzahl der Fälle durch Zufälle, Neid, betro­gene Betrü­ger und das Zusam­men­tref­fen „unglück­licher“ Umstände bekannt.

Im Fall einer inter­nen Auf­de­ckung kom­men dolose Vor­gänge oft­mals nicht an die Öffent­lich­keit, was zu einer mas­si­ven Unter­schätzung ihrer Häu­fig­keit führt.

Viele ver­ant­wort­li­che Entscheidungsträ­ger wie­gen sich bei der Durch­füh­rung von Bestechun­gen in der trü­ge­ri­schen Sicher­heit, dass bestehende Rechts­schutz- und D&O-Versicherungen einen vollumfäng­lichen Schutz leis­ten wür­den. Zwar mögen in gewis­sen Fäl­len Scha­den­er­satz­an­sprü­che und die Kos­ten der Rechts­be­ra­tung versi­cherungsseitig abge­deckt sein, für Geldstra­fen besteht aller­dings kein Schutz. Fer­ner wird der Ver­si­che­rer kei­nes­falls eine Ersatz­person stel­len, die für den Ver­ant­wort­li­chen die Haft­strafe antritt, sollte diese ver­hängt wer­den.

Lei­der ist es vie­len Ver­ant­wort­li­chen noch nicht bekannt, dass es sowohl vor­beu­gende als auch nach­voll­zieh­bare Metho­den und Anwen­dun­gen gibt, mit deren Hilfe sowohl eine Ver­mei­dung als auch eine Auf­klä­rung erreicht wer­den kann. Sehr häu­fig blen­den die Ver­ant­wort­li­chen das Thema auch aus, da sie irri­ger­weise der Annahme sind, von Kor­rup­tion nicht berührt zu sein. Die Pra­xis wider­legt diese Annahme in allen Punk­ten. Kein Unter­neh­men ist hier­für zu klein oder sicher.
Tipps und Hin­weise zur Kor­rup­ti­ons­prä­ven­tion

  • Prak­ti­zie­ren Sie ein­heit­li­che Regeln zur Gewäh­rung und Annahme von Geschen­ken, Bewir­tun­gen und sons­ti­gen Ein­la­dun­gen
  • Füh­ren Sie klare Ver­fah­ren ein, wie mit ers­ten Hin­wei­sen oder Bewei­sen in Bezug auf Kor­rup­tion umge­gan­gen wird
  • Nut­zen Sie klar defi­nierte, trans­pa­rente Kri­te­rien und Ver­fah­ren bei Rekru­tie­rung, Stel­len­be­set­zung und Beför­de­rung
  • Ver­pflich­ten Sie alle Mit­ar­bei­ter dazu, Bestechungs­ver­su­che sofort anzu­zei­gen
  • Bei Beschäf­ti­gung von nahe­ste­hen­den Per­so­nen (z. B. Ange­hö­rige, Lebens­part­ner) soll­ten Inter­es­sen­kon­flikte jeg­li­cher Art aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen
  • Stel­len Sie Regeln für Spen­den und Spon­so­ring auf, die eine Ein­fluss­nahme auf Ent­schei­dun­gen aus­schlie­ßen
  • Beschäf­tigte soll­ten in der Regel durch­ge­hend nicht län­ger als fünf Jahre in kor­rup­ti­ons­ge­fähr­de­ten Res­sorts ein­ge­setzt wer­den
  • Die Ent­schei­dung über die Ver­gabe von Auf­trä­gen ist von min­des­tens zwei Per­so­nen zu tref­fen
  • Nut­zen Sie Früh­warn­sys­teme, z. B. Kon­trolle und Über­prü­fung von Zah­lungs­flüs­sen
  • Las­sen Sie sich im Beschaf­fungs­ma­nage­ment von neu­tra­len und exter­nen Dienst­leis­tern unter­stüt­zen
  • Kon­trol­lie­ren Sie die Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit von Anschluss­auf­trä­gen (z. B. Nach­träge zu bestehen­den Ver­trä­gen)
  • Füh­ren Sie regel­mä­ßig Ver­trags­prü­fun­gen in allen Ein­kaufs­be­rei­chen durch, auch nach­träg­lich (Con­tract Manage­ment)

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